Bericht in der Augsburger Allgemeinen vom 07.08.2000

Der Wertach wird Leben eingehaucht
Im Oktober startet das Renaturierungs- Projekt

Von unserem Redaktionsmitglied Klaus Utzni

Die Wertach: Wie eine Autobahn hat sie sich seit ihrer Begradigung schnurgerade immer tiefer in die Landschaft
gegraben. Am Ufer wachsen Pappeln und Fichten ­ Bäume, die nicht zu einem Fluss passen. Von Sand- und Kiesbänken keine Spur. Die Natur ist eintönig, verarmt. "Wertach vital" heißt das
Projekt, mit dem diesem Fluss zwischen Bobingen und Augsburg- Pfersee wieder mehr Leben eingehaucht werden
soll. Ab Oktober wird die Wertach umgemodelt.

In der Wertach- Gaststätte in Inningen eröffnete das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth gestern eine kleine
Ausstellung. Die Information der betroffenen Bürger wird groß geschrieben, um Ängste zu zerstreuen. Ängste und Vorbehalte, die seit dem Pfingsthochwasser im vergangenen Jahr eher gewachsen sind. Das System zwischen dem kanalisierten Gebirgsfluss, dem Grundwasser und vielen Seitenbächen ist kompliziert genug. Als man die Wertach vor 150 Jahren zwischen Ettringen und Göggingen begradigte und damit von 50 auf 30 Kilometer verkürzte, um Land zu gewinnen, hatte dies Folgen: Der Fluss grub sich immer tiefer ein, weil er schneller floss. Rückhalteräume für Hochwasser fehlten. 

Seit 1996 plant das Wasserwirtschaftsamt mit der Stadt, die Wertach zu renaturieren. Die Pfingstflut war Wasser auf diese Mühlen. In einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren soll der Fluss vitalisiert werden. Kosten: rund 45 Millionen Mark. Die Maßnahmen:

  • Um die Sohle zu stabilisieren und den Wasserspiegel um bis zu zwei Meter anzuheben, werden zwischen der Bobinger Staustufe und Göggingen zwei Rampen mit großen Natursteinen und Spundwänden eingebaut. Teilweise liegt das Bett der Wertach hier schon sieben Meter unter Geländeniveau.
  • Im selben Abschnitt wird das Flussbett auf bis zu 70 Meter verbreitert. Die Wertach darf sich zum Teil ihren Weg wieder selbst bahnen, weg vom Autobahncharakter. Kiesbänke und Seitenarme sowie kleine Inseln sollen entstehen. Es werden Bäume gepflanzt, die zu einer Flusslandschaft passen: Erlen, Weiden, Eichen und Kirschen. Es wird sich eine andere Flora und Fauna entwickeln.
  • Im zweiten Abschnitt werden vom Ackermann- Wehr (es wird ab 2001 neu aufgebaut) bis zur Goggeles-Brücke die Deiche verstärkt und erhöht, so dass auch ein "tausendjähriges" Hochwaser beherrscht werden kann. Zum Vergleich: Bei der Pfingstflut schossen pro Sekunde 430 Kubikmeter Wasser flussabwärts, mit den neuen Deichen können 600 Kubikmeter abgefangen werden. Wolfgang Schilling, Chef der Wasserbehörde, macht aber klar: "Die Gefahr durch entwurzelte Bäume, die über die Staustufe kommen, wird weiter bestehen". "Wertach vital" ist ein Projekt, bei dem komplizierte ökologische Zusammenhänge berücksichtigt werden müssen. Projektleiter Rainer Zimmermann: "Der Grundwasserspiegel darf nicht zu stark steigen." 
Bürger eingebunden

Von Anbeginn ist eine Bürgerinitiative eingebunden. Sprecher Hubert Bernhard: "Die Anlieger haben Sorgen, dass die Wertach wieder rauskommt, dass das Grundwasser zu sehr steigt." Anlass zur Kritik an den Behörden hat er nicht: "Wir sind mit der Informationspolitik sehr zufrieden." 

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