Ergebnisse des städtbaulichen Ideenwettbewerbs Sheriden-Kaserne
Unsere Vorstellung beschränkt sich auf den ersten, zweiten und dritten Preis, obwohl auch die der vierte und fünfte Preis sowie die Ankäufe Ideen enthalten die bei einer Weiterentwicklung berücksichtigt werden sollten. Die Texte der Jury sind in ihrem akademischen Ton für den Laien leider schwer lesbar.

1. Preis
Christian Datz, Architekt Mainz
Claudius Grothe, Landschaftsdarchitekt, Frankfurt

Bewertung des Preisgerichtes:

Konzeption
Der Vorschlag einer Freiflächenzäsur, die durch räumliche und funktionale Gliederung des Gebietes unterschiedliche Baufelder bestimmt, ist auch durch die zielführende Ausrichtung der Freiflächenarme, überzeugend vorgetragen. Dabei sind verschiedene Bestandsgebäude gut integriert und teilweise starke, fernwirksame Randausbildungen vorgesehen.

Programm
Die Flächenanteile für die verschiedenen Programmelemente liegen insbesondere für die Mischnutzung etwas unter den Orientierungswerten. die vorgeschlagene bauliche Dichte bietet jedoch ein überdurchschnittliches Maß an Geschoßflächen. Die Parzellierungs- und Bebaungsvorschläge erlauben eine große Vielfalt von Ausformungen sowohl für das Wohnen wie für das Gewerbe. Für die Nutzung erhaltens- und erinnerungswerter Altbauten werden gute Vorschläge gemacht.

Funktion
Die Anordnungen der Gebäude erlauben eine immissions- und nachbarschaftskonfliktfreie Nutzung der verschiedenen gebiete. Zentrale Einrichtungen sind folgerichtig am Eingang aus/nach Pfersee angeordnet und verfügen über die gebührenden Vorflächen. Die Vorgeschlagenen Ladengruppen sind auch durch die Versorgung angrenzender Bestandsgebiete begründet.

Umwelt
Die geforderte Klimaschneise ist konsequent von Bebauung freigehalten. Die Ausrichtung der Gebäude an einem annähernd Nord-Süd orientierten Raster erlaubt energetisch optimierte Gebäudeentwürfe, Der Lärmschutz an der B 17 ist durch die gestaffelte Bebauung gut gelöst.

Gestaltung
Im Gewerbegebiet sorgen straßenbegleitende Hauptbauten für definierte Straßenräume, die weniger steuerbaren Nebengebäude erstrecken sich richtigerweise in Seitenräume. Während der Südrand des Gewerbegebietes selbstbewußte, prägende Bauten erlaubt, gar fordert, ist der Westrand durch die bundesstraßenseitigen Nebengebäude und Parkierungsflächen gestalterisch in Gefahr, und der Ostrand zum Freiraum wenig stringent.

Freiräume
Die Freiräume sind abwechslungsreich gegliedert in Bereiche verschiedener Nutzung und Gestaltung. Die Ausprägung der aktiveren Zone, des Stadtgartens, ist von Bauten und Nutzungen aber eher überladen un räumlich unklar. Die Konzentration von Spiel- und Sportflächen im Süden des zentralen Grünzuges ist sinnvoll, abträglich ist jedoch die enge Einbettung des ruhebedürftigen Seminargebäudes in laute Spielzonen. Anerkannt wird die Respektierung des vorhandenen Baumbestandes, die in der Bebauungsordnung sogar noch deutlicher hätte aufgenommen werden können. Der Wert der quartierbezogenen Freiflächen liegt weniger in der Gesamtflächenbilanz, als in der damit möglichen  guten Ausstattung auch der ersten Bauabschnitte. Die Ost-West-Verbindung ist auf den als Relikt erhaltenen Bereich des Grasigen Wegs reduziert, die Aufnahme dieses baumbestandenen Wegs als Sport und Spielstraße ist jedoch ein interessantes Element. Die Ausweisung von Grabeland im immissionsbelasteten  Randstreifen der B17 ist nicht nachvollziehbar. Zur KIndertagesstätte hätte man sich eine großzügigere Freifläche gewünscht. Der vorgeschlagene, in der Natur nicht vorgegebene Wasserlauf rechtfertigt den Herstellungsaufwand nicht.

Verkehr
Das Verkehrskonzept ist schlüssig, einfach und einprägsam. Der öffentliche Nahverkehr bindet richtigerweise den Friedhof an, ohne der Wohnbebauung zu nahe zu kommen, und bietet an der Nahtstelle von Folgeeinrichtungen und 'Monument' Grasiger Weg eine gutsituierte Haltestelle. Der hohe Anteil ebenerdiger Flächen für den ruhenden Verkehr mag wirtschaftlich sein, beeinträchtigt aber die Freiraumqualitäten. der völlige Verzicht auf Straßenverbindungen zwischen Osten und Westen beeinträchtigt die städtische Vernetzung.

Wirtschaftlichkeit
Die relativ hohe Bruttogeschoßfläche führt zu einer guten Wirtschaftlichkeit, beeinflußt jedoch die Attraktivität der Wohngebiete.

Der relativ hohe Verkehrsflächenanteil liegt wohl an dem eher ehrlichen Stellplatznachweis. Eine abschnittweise Realisierung scheint ohne größere Beeinträchtigungen möglich zu sein.

Zusammenfassende Würdigung
Die Arbeit liefert einen gut durchdachten und sorgfältig ausgearbeiteten Beitrag zur Aufgabe, dessen besondere Werte in der Kombination eines differenzierten, ordnenden Freiraumkonzeptes mit  qualitätvollen Einzelbausteine und in einem einfühlsamen Umgang mit dem umgebenden Bestand liegen.

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2. Preis
Gordan Dubovic, Architekt, und Heike Henrich, Architektin, Darmstadt
Jutta Wippermann, Landschaftsarchitektin, Darmstadt

Bewertung des Preisgerichtes:

Die Verfasser setzen sich intensiv und eigenständig mit der Aufgabenstellung auseinander und entwickeln sowohl in räumlicher, wie auch strategischer Hinsicht ein interessantes, starkes Konzept, das in Plänen und Modell abstrakt dargestellt wird. Bei näherer Beschäftigung mit dem Entwurf wird deutlich, dass sich die Verfasser sehr gründlich und auch pragmatisch auf die örtlichen Gegebenheiten einlassen.

Durch Überlagerung und Verschneidung der vorhandenen, durch polygonale Richtungswechsel gekennzeichnete Ost-West-Grünzüge mit einem konsequent orthogonal ausgerichteten Ordnungssystem entsteht ein “robuster Grüngewebe” für unterschiedlich zu nutzende und zu gestaltende Freiräume und Baufelder, in denen im Osten folgerichtig Wohn- und Mischnutzung, im Westen Misch- und Gewerbefunktionen ihre Priorität haben.

Rückgrat dieses Raumsystems ist ein durchgehender, nord-südausgerichteter Grünzug, der in seiner Funktion als Bürgerpark nachvollziehbar ist, und in dem vorhandene Gebäude, z.B. die Kapelle wie selbstverständlich integriert und mit ihren öffentlichen Nutzungen zu identitätsstiftenden Elementen des öffentlichen Raums werden.
Im Westen erhalten die Gewerbefelder durch vier hohe Baukörper einen räumlichen Rahmen und zur B 17 adressen- und imagegebende Merkzeichen.

In dem aufgezeigten und abstrakt dargestellten Raumsystem kommen die Bebauungs- und Vegetationstypologien nicht über schematische Andeutungen und Chiffren hinaus. Die Aussagen zur Umsetzung können zur Konzeptionell, als gestalterische Absichtserklärungen gelesen werden. Das ist sicherlich ein Defizit des Entwurfs. Andererseits ist festzustellen, dass das Konzept trotz oder wegen seiner starken strukturellen Prinzipien auch ein hohes Maß an Veränderbarkeit aufweist. Entsprechend ist auch das Erschließungssystem flexibel. Mit seinen Breiten Baumalleen und schmalen Anliegerstraßen ist es hierarchisch organisiert, hat allerdings ein einigen Punkten keine günstigen Anschlüsse an das übergeordnete Straßennetz. Auch die konzeptionell richtige Lage der ÖPNV-Linien löst die Anschlüsse zu den Nachbargebieten, insbesondere zum Westfriedhof, nur unzureichend.

Der Entwurf läßt sich durch seinen Bezug auf bestehende Feldstrukturen, Berücksichtigung von Vegetationsbestand, sowie topographisch-morphologische Strukturen in Abschnitten realisieren, ohne fragmenthaft zu wirken. Wirtschaftlich liegt er unter dem Mittelwert, hat aber aufgrund seiner Variabilität Reserven für eine Verdichtung.

Wenn auch in einigen Punkten ein Nachbesserungs- und Präzisierungsbedarf besteht, zeichnet sich der Beitrag durch sein stabiles System von Schwerpunktverteilungen, Freiräumen und Baufeldern aus, in dem heute noch nicht absehbare oder zwingend festzulegende Funktionen, sowie Bau- und Nutzungstypologien zu einem späteren Zeitpunkt realisiert werden können. Es ist ein strenges weitsichtiges Konzept, das aufgrund seiner flexiblen Handhabung und Interpretationsfähigkeit den Forderungen eines nachhaltigen Städtebaus und damit dem Kern der Aufgabenstellung gerecht wird.

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3. Preis
Anke Bauser, Architektin und Stefan Blume, Architekt, München
Katja Aufermann, Landschaftsarchitektin, München

Bewertung des Preisgerichtes:

Der Entwurf zeigt eine relativ klare Grundordnung, die im Modell deutlicher hervortritt als in den Plänen. Konzeptbestimmend ist der nord-süd-ausgerichtete Freiraum mit den sich kreuzenden Ost-West-Grünzügen. Bestehende Vegetationsstrukturen bleiben erhalten. sowohl als offener Wiesenraum als auch als verdichteter Hain im nord-südgerichteten Grünzug.

Die grünen Freiräume gliedern das Stadtgebiet in vier Quartiere. Im Osten arrondieren die neuen Wohnquartiere die vorhandenen Stadtgebiete Pfersees. Im Westen bilden vorwiegend gewerblich genutzte Quartiere den Rand zur B 17.

Positiv ist, dass die Verfasser versuchen, im Bereich der Bürgermeister-Bohl-Straße mit vorhandenen künftig öffentlich genutzten Gebäuden, ergänzenden Dienstleistungseinrichtungen und einem Hotel ebenso mit der Tramhaltestelle, dem neuen Stadtteil einen Schwerpunkt zu geben, der jedoch nur funktional formuliert wird, räumlich dagegen unzureichend ist. Zudem muß die Realisierung der diesen Bereich stärkenden und für die Zentrumsbildung erforderlichen Bausteine im Augenblick infrage gestellt werden.

Während gemischt genutzte Baufelder zum mittigen Freiraum einen deutlichen Rand ausbilden, weisen die flächig strukturierten Wohngebiete keine räumliche Differenzierung auf. Ihre Typologien werden auch bedingt durch das engmaschige Erschließungsnetz konventionell und stereotyp vorgetragen. Die konsequente Nord-Süd-Anordnung ist jedoch im Hinblick auf eine passive Energienutzung günstig. 

Die Binnenerschließung der vier Stadtquartiere weist klare Merkmale auf. Die Verkehrsvernetzung mit Alt-Pfersee ist gegeben, nach Westen ist sie unzureichend. Die Haltestelle Stadtberger Straße ist allerdings zu weit vom Westfriedhof abgerückt.

Der Entwurf kann in Abschnitten realisiert werden. Wirtschaftlich liegt er im oberen Bereich. In der Funktionsverteilung dominiert der gewerbliche Teil gegenüber dem Wohnen.

Zusammenfassend handelt es sich um ein  für die weitere Entwicklung des westlichen Stadtgebietes tragfähiges Konzept, dessen räumlich-typologische Qualitäten sich erst über das Modell anschaulich und atmosphärisch vermitteln.


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