Der Ortsname Pfersee

Prof. Anthony R. Rowley der Leiter der Kommission für Mundartforschung bei der
Bayerischen Akademie der Wissenschaften, übrigens selbst mit seiner Familie in Pfersee
ansässig, hat sich in einem Aufsatz ausführlich mit dem Ortsnamen Pfersee beschäftigt.*

Um das Ergebnis gleich vorweg zu nehmen: das ehrliche aber wenig ansprechende Fazit
lautet, dass die Herkunft des Namens Pfersee bis auf weiteres unklar bleiben wird; so
Rowley.

Als philologisch unhaltbar und überholt bezeichnet er die bisher bevorzugte und auch auf unserer Webseite noch zufindende Deutung, Pfersee leite sich aus einer keltischen Wurzel perz her, die ‘Pforte’ oder ‘Burg’ bedeuten soll. Einzig eine französische Quelle aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stütze diese Theorie aber keines der heute üblichen Wörterbücher verzeichne irgendetwas Entsprechendes.

Die Deutung Pfersee und Paris hätten mit lateinisch Parisiano oder Parisianis (= zum Besitztum oder bei den Leuten des Parisius) den selben Ursprung verweist Rowley
ebenso ins Reich der Spekulation wie einen Vorschlag Pfersee sei eine
Zusammensetzung mit dem germanischen Grundwort See und einer viel älteren
indoeuropäischen Wurzel per. Als Urbedeutung ergäbe sich dann ‘stehendes Gewässer
beim Wertachübergang’. Auch der Deutung Pfersee leite sich aus einer “keltoligurischen “
Wurzel per, par, pir her, was Sumpf bedeutet haben soll erteilt er eine Absage.

Gleichwohl hält er eine vorgermanische Herkunft für naheliegend und zählt Pfersee neben
Augsburg zu den ältesten Siedlungsnamen im Raum zwischen Lechtal und Inntal.

Interessanterweise beschäftigt sich bereits eine lateinische Handschrift aus dem 12.
Jahrhundert mit der Herkunft des Namens. Im Excerptum ex Gallica Historia (ein Kapitel
aus der Geschichte Galliens) in der eine Reihe von Ortsnamen des Augsburger Umlands
auf phantasievolle Weise hergeleitet wird, wird erzählt, wie der römische Soldat Verres
einen Überfall der Germanen überlebt: “Allein Verres, ein Militärtribun, der den Strom
überschritten und sich in den nahen Sümpfen versteckt hatte, entging einem ehrenvollen
Tod. Aus diesem lacus Verrisse (=Verres-See) könnte sich im 18 Jahrhundert durch einen
gelehrten Rückgriff auf die Legende die heutige namensform Pfersee mit Doppel-E
ergeben haben. Die populäre Variante dieser Legende, dass der römische Feldherr Varus
sich an der Wertach in selbstmörderischer Absicht in einen kleinen See stürzte, der dann
den Namen Varus-See führte; dem dann der Ort Pfersee seinen Namen zu verdanken
habe findet bei Rowley keine Erwähnung.

Mit der Bemerkung:’ Wenn aber philologische Akribie zu keinem Ergebnis führt, dann ist
Spekulation der letzte Ausweg in der Not’ öffnet uns Rowley den Weg für eben solche
Spekulationen und verweist auf die Gemeinsamkeit von Pergine (Toskana), Perschen
(Oberpfalz), Pförring (Oberbayern) und sogar Perugia (Umbrien) und Partenkirchen die
wie Pfersee am Ufer von Flüssen oder Bächen liegen, wo sie (früher) oft von
Überschwemmungen heimgesucht wurden oder werden.

* Antony R. Rowley “Der Ortsname Pfersee”
in Sprachgeschichten ein Lesebuch für Werner König zum 60 Geburtstag
(Schriften zum Bayerischen Sprachatlas; 7) 2003