Abschied von der Goggelesbrücke

Die Goggelesbrücke ist eigentlich ein Wehr mit einem Übergang, in den verschiedene Versorgungsleitungen eingehängt waren.
Es entstand im Zusammenhang mit der Verlängerung des Wertachkanales im Jahre 1921. Die erste Ableitung des Kanals, für die 1884 das Gögginger Ackermann-Wehr errichtet worden war, führte nur bis zur sogenannten Kulperhütte am Rand des Gögginger Wäldchens und diente zur Energieversorgung der Nähfadenfabrik. Dieses Wehr wurde beim Hochwasser am 23. Mai 1999 weitgehend zerstört.
Unterhalb der Goggelesbrücke konnte man auf der Ostseite den Kanal einleiten, auf der Westseite den Mühlbach, eine Möglichkeit, von der allerdings selten Gebrauch gemacht wurde. Das Bauwerk hatte die Aufgabe  mit dem Wasserfall die Kraft der Wertach zu brechen und als Stützschwelle die weitere Eintiefung zu begrenzen.
Der Übergang über die Wertach war schon von Anfang an beliebt und eifrig benutzt, später erhielt er als Weg zu den Bädern an der Schwimmschulstraße und zum Plärrer zusätzliche Bedeutung.
Der Name leitet sich von einem, mit einem prächtigen Schweif ausgestatteten Goggel ab, der als Wetterhahn über dem hölzernen Schleusenhaus thront. Ein Blick über die ursprünglich hölzerne Balustrade ermöglichte einen ganz besonderen Eindruck des Voralpenflusses. Während das Wasser auf der Südseite still unter dem Beobachter verschwand, schäumte es auf der Nordseite im Tosbecken. Vor allem bei Hochwasser war es eindrucksvoll auf der Brücke die Kraft der Wertach zu erleben,
Da sich die Brücke im Grenzgebiet von Pfersee und Kriegshaber befindet, sollen sich dort in der Vergangenheit Territorialkämpfe zwischen Jugendlichen aus dem Hettenbach und Pfersee abgespielt haben.
Noch stärker in Erinnerung geblieben sind die romantischen Liebesgeschichten, die hier, im  Niemandsland, ihren Anfang und –seltener- ihr Ende fanden.
Die Verschwiegenheit des Ortes führte dazu, dass sich Ende der 60er Jahre ein blühender Schwarzmarkt entwickelte, auf dem amerikanische Soldaten zollfreien Wodka, Whisky und Zigaretten, später auch andere Drogen an die einheimische Jugend verkauften.

Schon seit dem Jahr 2000 gibt es Pläne die Brücke aus Gründen der Hochwassersicherheit und um einen natürlicheren Flusslauf zu erreichen durch eine Rampe zu ersetzen. Im Zusammenhang mit dem Projekt Wertach vital sollen außerdem die Ufer wieder naturnaher gestaltet werden, was einen neuen Zugang zum Fluss ermöglicht. Für den Neubau eines Überweges wurde bereits ein Wettbewerb durchgeführt. Statt die Energie für den Neubau einzusetzen gab es politischen Streit um den Abriss. Einige Stadträte wollten sogar das jetzige Wehr erhalten, ohne auf dessen Baufälligkeit hinzuweisen.
Die Wertach hat nun, wie schon beim Gögginger Wehr, Fakten geschaffen. Diesmal glücklicherweise ohne Überschwemmung. 
Bis der neue Übergang kommt wird allerdings noch viel Wasser über die Kiesbänke fließen. Der Neubau des Gögginger Wehres lässt auch sechs Jahre nach der Hochwasserkathastrophe noch auf sich warten.







Die Wertach

Pfingsthochwasser 1999

Das Dach der Brücke auf dem Weg zum Zoo

19.02.2005, 17 Uhr

23.02.2005, 13 Uhr

24.02.2005, 13 Uhr

01.03.2005, 14 Uhr

Die unterspülten Pfeiler