Eine kurze Reise durch 2000 Jahre pferseer Geschichte
von Dr. Renate Weggel

Wie bringt man 2000 Jahre Geschichte in ein paar Seiten Text?

Dies ist ein beinahe unmögliches Unterfangen – man vergleiche die Ortsgeschichte von Stadtbergen mit 680 Seiten Umfang – es sei denn, man konzentriert sich auf Schlaglichter, auf Stimmungsbilder, auf thematische und inhaltliche Schwerpunkte zu bestimmten Themen. Diese ergeben sich fast zwangsläufig durch die Quellenlage, denn nicht jede Epoche ist bereits näher erforscht und beschrieben worden. Im allgemeinen kann man nur auf die Ortschronik des Ober-, dann Hauptlehrers Andreas Müller zurückgreifen, die erstmals 1896 erschienen ist und später im Pferseer Anzeigeblatt wiederveröffentlicht bzw. ergänzt wurde. Seine Daten werden immer wieder zitiert, aber, wie damals (leider) üblich, gibt es wenig konkrete Hinweise auf die von ihm verwendeten Quellen. Müller starb 1935 im hohen Alter von 83, beschäftigte sich deshalb auch nicht mehr mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Wissenschaftlich Fundiertes über Pfersee im Dritten Reich gibt es also nicht, man kann weitgehend nur auf die Berichte der gleichgeschalteten Presse zurückgreifen, auf vereinzelte Zeitzeugenaussagen (diese wurden hier bewusst nicht einbezogen) und auf einige wenige bis jetzt aufgearbeitete Akten bzw. Veröffentlichungen, die sich aber nicht speziell mit Pfersee beschäftigen. Genauer erforscht ist nur die Zeit der Industrialisierung.

Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich mit der Eingemeindung Pfersees nach Augsburg am 1.1.1911, denn damit endet die eigenständige Geschichte des Ortes. Die Pferseer fühlten sich zwar weiterhin als Pferseer, pflegten ihr ureigenstes Vereinswesen weiter, arbeiteten wie vorher in den Pferseer Fabriken und wählten gemäß der Bevölkerungsstruktur, aber das, was man als geschichtliche Entwicklung bezeichnet, lässt sich oft nicht mehr von der Augsburger Entwicklung trennen.

2000 Jahre im Kurzüberblick

Zunächst gilt es nach den Wurzeln zu suchen, und hier stößt man nur auf wenig Konkretes.

Pfersee im Mittelalter heißt ständig wechselnde Besitzer des Ortes. Besitz bedeutet die Ausübung der Grund- und Gerichtsherrschaft über die Untertanen, die ihrem Grundherrn Abgaben zu zahlen hatten. Jedes einzelne Haus, ein Teil des Ortes oder das gesamte Dorf konnten einem solchen Grundherrn gehören; dieser Besitz konnte ohne weiteres wieder verkauft werden. Die Oberhoheit und damit auch die hohe Gerichtsbarkeit (diejenige über Kapitalverbrechen) über Pfersee lag bei der Markgrafschaft Burgau, einem auch Vorderösterreich genannten Herrschaftsgebiet der Habsburger. Dies blieb so von 1301 bis zur Auflösung des ersten deutschen Kaiserreichs 1806. Danach gehörte Pfersee wie auch die Stadt Augsburg zu Bayern und bildete eine sich eigenständig verwaltende Gemeinde, ein typisches Dorf mit Bauern und Handwerkern.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts begann die Industrialisierung und damit die völlige Umstrukturierung des Ortes. Er wuchs rasch, sowohl von den Einwohnerzahlen her gesehen als auch von den Baulichkeiten und der Infrastruktur; die bäuerlich-handwerkliche Bevölkerung wurde zu einer Minderheit gegenüber Industrie- und Eisenbahnarbeitern aus buchstäblich aller Herren Länder und unterschiedlichster Konfessionszugehörigkeit. Damit wuchsen natürlich die Lasten der Gemeinde ins Unermessliche, und so war die Eingemeindung nach Augsburg nur die logische Konsequenz.

Der Erste Weltkrieg bedeutete einen großen Einschnitt. Eigentlich der Vergangenheit angehörende Probleme wie Hunger und Arbeitslosigkeit traten gehäuft wieder auf.

Pfersee in den 20er Jahren, also während der Weimarer Republik, ist gekennzeichnet durch die „Öffnung" des Ortes für etwas wohlhabendere Bevölkerungsschichten. Die „Beamtenstraßen" entstanden; Wohnungsbaugenossenschaften stellten vergleichsweise billigen Wohnraum zur Verfügung und schufen die Möglichkeit zum Eigentumserwerb.

Was im Dritten Reich in Pfersee geschah, ist noch überhaupt nicht erforscht. Durch die Arbeiten von Gernot Römer ist zumindest über das Schicksal einiger Pferseer Juden Näheres bekannt; man weiß Bescheid über das KZ-Außenlager in der Flak-Kaserne und über die Anpassung der Fabrikdirektoren an das System; man kennt Clemens Högg und Anna Pröll, geborene Nolan als Widerständler und man kann sich aus Erzählungen von Zeitzeugen vorstellen, wie das Alltagsleben aussah, aber auch mutmaßen, dass es in dieser Zeit in Pfersee nicht anders verlief als in Kriegshaber, Hochzoll oder der Innenstadt. Aber mehr als solche Schlaglichter gibt es nicht.

Die Schäden des Zweiten Weltkriegs lassen sich belegen, aber über den Neubeginn nach 1945 etwas spezifisch „Pferseerisches" herauszufinden, wäre erst noch zu leisten.

Konkreter wird es in den späten 60er Jahren. Hier beginnt der allmähliche Rückzug der Industrie, eine Entwicklung, die bis heute anhält. Nur die Firma Eberle produziert noch in Pfersee. Mit der Bebauung der Uhlandwiesen setzte sich die Tendenz fort, Pfersee zu einer Wohnstadt zu machen, die attraktiv ist wegen der Nähe zur Innenstadt und zur B 17. Die Zukunft wird die Umwandlung der US-Kasernengelände und damit eine weitere Neustrukturierung des Stadtteils bringen.

Insgesamt lässt sich also festhalten, dass 2000 Jahre Geschichte einen stetigen Wandel beinhaltet – in Pfersee genauso wie anderswo.

1. Die Anfänge

Jeder Ort, der etwas auf sich hält, braucht eine Gründungslegende. Im Falle Pfersees hatte man sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen, um den Ortsnamen zu erklären. Der römische Feldherr Varus, der in der Schlacht am Teutoburger Wald von den Germanen vernichtend geschlagen wurde, sei nach langem Umherirren an einen See gekommen und dort erschlagen worden. Varus wurde auch Verres genannt, und der See eben nach ihm Verressee=Pfersee. Diese Geschichte krankt nun aber an einigen Aspekten. Wo ist der See von damals geblieben? Wieso heißt der Ort auf alten Karten Pfersen oder Pferschen? Wieso hätte die Lautverschiebung von P zu V (vgl. lateinisch pater, deutsch Vater) hier ausgerechnet umgekehrt verlaufen sollen? So rational können aber nur moderne Menschen denken und diese zugegebenermaßen hübsche Geschichte in Frage stellen. Eine Antwort über die Herkunft des Ortsnamens können sie aber auch nicht geben. Die wahrscheinlichste Theorie ist die Rückführung auf das keltische perz (=Burg, Pforte). Da mittelalterliche Besitzer der Burg Pferzheimer hießen (siehe auch der Straßenname), und da sich auch die Ortsbezeichnungen Pfershain oder Pferschaim finden, spricht einiges für diese Theorie. Sie ist natürlich völlig unspektakulär, aber die Existenz der Burg ist zumindest nachweisbar. Wenn es je einen See gab, war das der Egelsee. Ob dieser aber ein natürlicher See war oder ob er beim Schlossneubau 1477 extra angelegt wurde, um einen Wasserschlosseffekt zu erzielen, bleibt im Dunkeln.

Das einzig wahre Körnchen an der Gründungslegende ist, dass wohl die Römer im Raum Pfersee gesiedelt hatten. In der Umgebung, vor allem in Stadtbergen, wurden Gutshöfe zur Versorgung der Garnison in Augsburg bei archäologischen Ausgrabungen entdeckt. Die ersten Funde aus römischer Zeit im Raum Pfersee wurden schon 1582 gemacht. Einen namentlich bekannten Ort gab es aber wohl nicht. Möglicherweise stand aber ein Kastell an der Wertach, als Schutz eines Brückenkopfes.

Noch in römischer Zeit kamen die Alemannen, die ihre Dörfer bevorzugt an Flussübergängen und bereits existierenden Handelsstraßen anlegten, in das Pferseer Gebiet. Im Jahr 274 nach Christus sollen sich die Römer mit den Alemannen erbitterte Schlachten an der Wertach, eventuell bei Pfersee geliefert haben. Militärstützpunkte unter Kaiser Konstantin in dieser Gegend sind nachzuweisen, aber auch noch nicht erschöpfend erforscht.

2. Pfersee im Mittelalter

Pfersee wurde urkundlich erstmals im 9. Jahrhundert erwähnt in Bezug auf einen bischöflichen Dienstmann (Ministeriale), den Truchseß von Leitershofen. Dieser war Lehensherr über 2/3 des Dorfes, 1/3 blieb im Besitz des Bischofs. Wie aus der Zusammenstellung Müllers hervorgeht, behielten die Bischöfe ihr Drittel zum Teil selbst, zum Teil gehörte aber auch das ganze Dorf einem einzigen Herrn (oder einer Familie). Müllers Daten gehen aber sehr durcheinander, d.h. er hat entweder ein Datum für den bischöflichen Besitz oder eines für den weltlichen, aber keines parallel. Aus anderen Büchern geht diese Drittelung überhaupt nicht hervor. Es ist aber anzunehmen, dass sie wiederholt geblieben ist, denn die letzten Besitzer verkaufen wiederum 1/3 und 2/3 des Dorfes zu unterschiedlichen Zeitpunkten; 1/3 geht wieder an den Bischof, was aber wiederum auch nicht ausschließt, dass zeitweise doch das gesamte Dorf zu einer einzigen Grundherrschaft gehörte.

Ferner wird für die Zeit des frühen Mittelalters angenommen (aber nicht bewiesen), dass Bischof Ulrich für die Schlacht auf dem Lechfeld 955 gegen die Ungarn auch Leute aus Pfersee requirierte. Im 12. Jahrhundert ist ein Herman de Perzheim erwähnt. Aus der Zeit des hohen Mittelalters ist ansonsten nur noch bekannt, dass die Kirche in Pfersee im Besitz des Domkapitels war. Stadtbergen und Leitershofen gehörten zu ihrem Pfarrgebiet (bis 1757).

Die Besitzer von ganz oder Teilen von Pfersee ab ca. 1300 sind hingegen durch die Arbeiten Müllers weitgehend bekannt. Diese Reihe beginnt mit Hermann von Pfersee, einem gefürchteten Raubritter, gegen den 1309 sogar der Landsturm aufgeboten wurde, um ihn zur Räson zu bringen. 1330 verkauften Hermann und Pranthoch von Pfersee das Dorf für 500 Pfund guter Augsburger Pfennige an Conrad Onsorg, der 1345 auch die Burg dem Bischof abkaufte. Damit beginnt eine neue Epoche in der Pferseer Geschichte. Als Besitzer wechseln sich nun Familien des Augsburger Patriziats (Stadtadel) ab. Da diese Familien im Kauf von Ländereien außerhalb der Stadt einen Machtzuwachs sahen (als Grundherr konnte man außerdem Abgaben kassieren), war Pfersee wegen seiner Stadtnähe und damit guten Kontrollierbarkeit sehr begehrt. Diese Tradition einer „Territorienbildung" setzten später die Fugger in größerem Maßstab fort.

1363 ging Pfersee an die Familie Rehm über. Auch dies waren Patrizier, doch traten sie später wegen ihres Engagements im Handel zu den Zünften über.

Die nächsten Besitzer waren die Ilsung. Unter ihrer Herrschaft wurde die Burg neu erbaut (diese wurde im 17. Jh. abgebrochen).

Im Jahr 1408 ist Elisabeth Rehlinger Herrin über Pfersee. Nach der Familie Egen erbte ein Mitglied der Vögelin das Dorf, der es wiederum an einen Vetter verkaufte, der 1447 starb. Damit war der Weg für einen erneuten Verkauf frei. Der Vormund der zwei Kobold-Töchter zahlte 4400 Gulden für den Ort. Eine der beiden Schwestern veräußerte fünfzehn Jahre später ihren Anteil an die andere; diese wiederum erlöste 1479 5500 Gulden von Wilhelm Gossembrot, als dieser Pfersee erwarb. 38 Feuerstätten, also Haushaltungen gehörten nun zu dessen Besitz. 1372 und 1432 wurde Pfersee jeweils niedergebrannt, 1477 erlitt auch die Burg dieses Schicksal, wurde aber wieder neu aufgebaut.

Eine schaurige Bluttat ist aus dieser Zeit auch noch zu vermelden: Peter Rehlinger ermordete 1424 Sebastian Ilsung auf der Straße zwischen Leitershofen und Pfersee.

3.Die Zeit bis zum Ende des Reiches

Erst 1569 setzen wieder belegbare Daten ein. In diesem Jahr kamen die ersten Juden nach Pfersee. Der damalige Besitzer, Hieronymus Sailer, verkaufte den Ort aus Verärgerung darüber, dass der österreichische Erzherzog als oberster Souverän der Markgrafschaft Burgau den Juden die Ansiedelung gestattete. (Müller erwähnt in diesem Zusammenhang Bartholomäus Welser als Besitzer.) Die Juden waren 1438 aus Augsburg vertrieben worden und suchten seitdem nach einer sicheren und dauerhaften Bleibe unter dem Schutz eines mächtigen Herren, möglichst aus dem Kaiserhaus. Die bedeutendste Familie in Pfersee sollte die der Ullmanns werden. Salomon Ullmann kaufte z.B. 1588 eine der bedeutendsten Talmud-Handschriften, die seitdem in Fachkreisen als die Pferseer Handschrift bekannt ist. Spätere Nachfolger taten sich als Bankiers hervor und hatten Zugang zu den höchsten Kreisen. Ephraim Ullmann ist einer der drei Bankiers, die durch einen sehr hohen Kredit an die Stadt Augsburg 1803 das Zuzugsrecht wieder erwerben wollte, doch die Einverleibung der Stadt nach Bayern 1806 machte diese Pläne vorläufig zunichte.

Um diese Zeit gehörte Pfersee den Katzbecks (oder Kazböcks). Dies ist die einzige Nicht-Augsburger Familie, der das Dorf je gehörte. Sie stammte aus Schwaz in Tirol, und die Kontakte zur Stadt rührten aus der Organisation des Tiroler Silberbergbaus her, den die Katzbecks im Namen der Fugger (über die Jenbacher Gesellschaft) betrieben.

Von 1579 bis 1682 befand sich das Dorf im Besitz der Familie Zobel. Sie baute die Burg zu einem repräsentativen Schloss um. Die Zobels waren Protestanten, und in dieser Zeit bestimmte der Landesherr, in dem Fall also der katholische Markgraf von Burgau, über die Religion seiner Untertanen. So mussten ca. 150 Protestanten, die mit den Zobels nach Pfersee gekommen waren oder unter ihrer Herrschaft den Glauben gewechselt hatten, 1581 das Dorf verlassen. Sie konnten aber in Augsburg unterkommen, und die Familie Zobel blieb trotzdem weiter Grundherr über Pfersee. In ihre Herrschaftszeit fällt auch der Dreißigjährige Krieg, in dem Pfersee 1646 von den Schweden und den Franzosen fast vollkommen niedergebrannt wurde.

Vermutlich um 1608 konnte das Dorf einen Neuankömmling verbuchen: Aus Leitershofen zog ein gewisser David Mozart zu, Ururgroßvater von Leopold Mozart, dem Vater von Wolfgang Amadeus Mozart. Die Mozarts des 17. Jahrhunderts waren Maurer oder Baumeister und deshalb wohl am Bau der St. Michaelskirche beteiligt. Diese wurde 1686 fertiggestellt, aber vier Jahre vorher, 1682, hatte Adolf Zobel 2/3 des Dorfes und das Schloss an die St. Jakobs-Pfründe verkauft, das letzte Drittel ging 1720 ans Hochstift Augsburg, an Bischof Alexander Sigmund. Die hohe Gerichtsbarkeit blieb jedoch noch bis zu deren Auflösung bei der Markgrafschaft Burgau.

Im gesamten 18. Jahrhundert hatte Pfersee immer wieder unter Einquartierungen zu leiden. Zahlreiche europäische Kriege hatten ihren Schauplatz im Deutschen Reich. Den Anfang machte der Spanische Erbfolgekrieg (1701-1714). Das Dorf Pfersee besaß 9 Flinten zu seiner Verteidigung – also blieb nichts weiter übrig, als den durchziehenden Regimentern Quartier zu geben. Dies hieß in der Praxis, dass sich die Soldaten und Offiziere auf Kosten des Dorfes verpflegten und dass die Bewohner ihre Häuser und Ställe den Truppen zur Verfügung stellen mussten. Auch zwischen 1780 und 1784 zogen immer wieder Heere durch Pfersee und hinterließen unbezahlte Rechnungen in den Gasthäusern. Ganz schlimm wurde die Situation während der napoleonischen Kriege ab 1793. In diesem und dem folgenden Jahr diente das Schloss als französisches Lazarett; 24 Soldaten starben dort. Speziell das Jahr 1799 wird als für Pfersee äußerst verhängnisvoll bezeichnet: im Dezember kamen 10.000 Mann russischer Truppen und wollten untergebracht werden. Dies bedeutete, dass sich in jedem Pferseer Haus zwischen 70 und 150 Mann aufhielten – zwar nur drei Tage lang, aber der Ort musste sogar Kredite aufnehmen, um die Bedürfnisse der Soldaten zu befriedigen. Sie verlangten nach 20 Stück Vieh, 50 Sack Hafer und 60 Zentner Heu – mehr als das Dorf zu bieten hatte.

So wird es verständlich, dass sich die Gemeinde recht spendabel zeigte, wenn ein Offizier das Dorf einmal vor diesen Einquartierungen verschonte. Es wird berichtet, dass „milde Feinde" Geld bekamen oder Stiefel, silberne Sporen oder eine Uhr. 1781 kam der erste Wundarzt nach Pfersee, eine in dieser Zeit mehr als dringend benötigte Person. Einige Missernten und daraus resultierende Hungersnöte (1749 und 1770/71) verschärften die Leiden der Bevölkerung in diesem Jahrhundert noch zusätzlich. Aber Positives ist auch zu vermelden: Die erste Schule wurde 1725 in der Gesindestube des Pfarrhauses eingerichtet, mit 10 bis 12 Pferseer und 7 Stadtberger Schülern.
 


Stich von Custos 1625

4.Pfersee in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts

Betrachtet man alte Pläne oder Ansichten von Pfersee aus dieser Zeit, so fallen zunächst zwei markante Bauwerke ins Auge: das Schlößle und die St. Michaels-Kirche – damals das Dorfzentrum, heute eher an den Rand gedrängt. Die Häuser gruppierten sich um diesen Kern, vor allem entlang der Poststraßen nach Stadtbergen und Leitershofen.

Mit Augsburg war Pfersee nur durch einen Steg verbunden, der ca. 150 m südlich der heutigen Wertachbrücke verlief. Das sogenannte Pferschener Gäßle führte über das Rosenaufeld in die Gegend des heutigen Diakonissenhauses (damals ein Gartengut) und von dort zum Gögginger Tor. 1812 wurde eine Wertachbrücke in etwa in der Höhe der heutigen gebaut. Diese Brücke, wie auch einige ihrer Nachfolger, wurden immer wieder durch verheerende Hochwasser der damals mit zahlreichen Seitenarmen durch eine Auenlandschaft fließenden Wertach zerstört. Somit war Pfersee von Augsburg aus häufig tagelang nicht auf dem direkten Weg zu erreichen. Erst 1856-58 begann man mit der Anlage von Dammschutzbauten. Das einzige Gebäude in diesem Bereich zwischen Dorf und Stadt war für lange Zeit die Pferseer Mühle am gleichnamigen Bach – und dieser sollte zur Keimzelle der Pferseer Industrie werden.

Die Einwohnerzahl stagnierte eher: 1803 (zur Zeit der allmählichen Loslösung von der Markgrafschaft Burgau) wurden nicht ganz 600 Personen gezählt, 1822 dann 778. Auch 1861 verzeichnete man erst knapp 1000 Einwohner - 8 Jahre später waren es bereits 1854!

Die Zahl der Häuser stieg von 108 im Jahr 1750 (davon 28 von Juden bewohnt) nur auf 114 Haupt- und 16 Nebengebäude im Jahr 1822. 1830 waren es insgesamt 135 Gebäude.

Für dieses Jahr 1830 lässt sich insgesamt ein Überblick über die Verhältnisse des Dorfs geben:

Das Gesamtareal betrug 1049 Tagwerk; 843 davon waren in Parzellen geteilt.

52 Haupt- und 7 Nebengebäude waren bewohnt von 58 Gutsbesitzerfamilien, insgesamt 182 Personen. Zu ihnen kamen noch 21 Tagelöhnerfamilien mit zusammen 27 Personen und die Familien der 6 Knechte und 10 Mägde. 79 Familien mit 318 Personen waren somit allein von der Landwirtschaft abhängig.

Die Statistik unterscheidet hiervon die industrielle Bevölkerung, die dann bezeichnet wird als Gewerbeinhaber mit Feldbesitz, welche sich jedoch hauptsächlich von dem Gewerbe nähren. 64 Familien mit 118 Personen, zusammen mit 25 Tagelöhnerfamilien (36 Personen), 56 Gesellen, 8 Lehrjungen, 38 männliche und 81 weibliche Dienstboten, zusammen 89 Familien und 455 Personen bildeten diese Gruppe. Sie bewohnten 58 Haupt- und 11 Nebengebäude.

Laut einer anderen Statistik waren 99 Personen dem Handwerkerstand zuzuordnen, von denen wiederum 62 dorftypischen Berufen nachgingen. 9 von ihnen waren im Uhrmachergewerbe tätig - offensichtlich nicht nur in Friedberg ein traditioneller Erwerbszweig. Die restlichen waren Händler (z.B. gab es seit 1829 den Engros-Verkauf von Pfeifenartikeln von Alexander Wernecker und Matthias Farnbacher; ab 1861 in Augsburg), Wirte, Musikant (1), Bauern (5) und der Gemeindediener. Die Agricole Statistik verzeichnet außerdem 2 katholische Kleriker und einen Militärangehörigen und – nicht zu vergessen – 71 Pferde, 211 Stück Hornvieh, 25 Schafe, 84 Schweine und 832 Stück Federvieh.

Die jüdischen Familien, 137 Personen neben 639 Katholiken und 25 Lutheranern, zogen größtenteils nach 1850 von Pfersee und anderen vor den Toren der Stadt liegenden Orten wieder nach Augsburg, da der dortige Rat die Zuzugsbestimmungen in dieser Zeit lockerte. Es dauerte dann bis zur Mitte des Jahrhunderts, bis die jüdischen Geschäftsleute, unter ihnen auch Wernecker und Fahrnbacher, endlich wieder ins Zentrum des Geschäftslebens zurückkehren konnten. Damit waren natürlich auch die Vororte für die in der Finanzwelt engagierten Juden uninteressant geworden. Dieser Rückgang der jüdischen Bevölkerung ist auch in Pfersee festzustellen: der letzte Judenlehrer und Schächter Max Günzburger starb 1874. Zwei Jahre später wurde die Synagoge und die Schule in der Leitershoferstraße wegen der ständig abnehmenden Zahl der Juden abgebrochen. Diese Gruppe von Juden spielte also beim Aufbau der Pferseer Industrie keine Rolle; wohl aber zogen später neue Familien zu, die maßgeblichen Anteil an Firmengründungen hatten.
 


Pfersee um 1850

Für die Zeit zwischen 1850 und 1866 verzeichnet die Dorfchronik außerdem an nennenswerten Ereignissen:

1854/55 den Ausbruch der Cholera

1856 eine verheerende Maikäferplage: 3 Schäffel und 2 Metzen Maikäfer wurden von den Bewohnern eingeliefert, was über 720 l entspricht.

Charakteristisch für diese Zeit sind auch die vorher erwähnten Überschwemmungen, die Pfersee 1848/49 und 1855 heimsuchten und die Felder auf Jahre hinaus unbrauchbar machten.

Zwei größere Geschäfte bestanden bereits in dieser Zeit: die Webwarengroßhandlung von Anselm Müller, gegründet 1850 und das Textil- und Kurzwarengeschäft von August Schwarz (im Gebäude des heutigen Kaufhaus Konrad).

5. Die Industrie hält Einzug

Die Ansiedelung von Industriebetrieben verlangt nach bestimmten Standortfaktoren, wobei sich jene zu Beginn der Industrialisierung kaum von den heutigen unterscheiden. Voraussetzungen waren im allgemeinen billiges Land, billige Arbeitskräfte und geringe Transportkosten.

Die ersten beiden Faktoren waren auf dem Land überall zu finden. Platz war genug da, um auch Grund und Boden auch für eine zukünftige Expansion zur Verfügung zu haben; das Lohnniveau war allgemein geringer als in der Stadt. Die Bewohner der Dörfer waren leicht davon zu überzeugen, statt eines stundenlangen Fußmarsches in die Stadt Augsburg einen kürzeren in eine Fabrik auf dem Land zu unternehmen. Da in dieser Zeit bereits die Landflucht eingesetzt hatte, waren die Städte sogar daran interessiert, nicht unbegrenzt Arbeitskräfte aufnehmen zu müssen, weil diese dann Wohnraum benötigten, der im mittelalterlichen Mauerring kaum zu finden war.

Was die Transportkosten angeht, war der süddeutsche Raum ohnehin benachteiligt. Die Baumwolleinfuhr lief über Bremen, und somit waren die Kosten der Anlieferung vergleichsweise sehr hoch. Hier konnte nun Pfersee den entscheidenden Vorteil aufweisen: In den 40er Jahren war der Bahnhof vom Roten Tor an die heutige Stelle verlegt worden, und Augsburg war außer mit München auch mit Donauwörth, Ulm und Lindau verbunden. Damit waren die Transportkosten zum Bahnhof wenigstens niedrig zu halten und ein Weitertransport gewährleistet.

Der wichtigste aller Standortfaktoren in der Zeit vor der Elektrifizierung war jedoch das Vorhandensein von Wasserkraft. Die Wertach war wegen ihres unregulierten Verlaufs kaum nutzbar, doch befanden sich auf der Pferseer Gemeindeflur der Brunnen- und der Mühlbach, der für den Antrieb der schon erwähnten Mühle sorgte. Südlich der Straße nach Augsburg war der Mühlbach bereits für eine Wollwäscherei aufgestaut worden. Dieses Gelände wurde 1866 von einem Unternehmer aus Ulm namens Johann Krauß erworben. Damit begann in Pfersee die „moderne Zeit" mit all ihren positiven und negativen Auswirkungen.

Im gleichen Jahr wurden in Augsburg die Stadtmauern geschleift, was in den Folgejahren eine rege Bautätigkeit in Richtung Wertach und Pfersee auslöste. Das Justizgebäude, die heutige Staatsbibliothek und das Diakonissenhaus wären hier zu nennen.

Ob Krauß von den Pferseer Standortvorteilen angezogen worden war, oder ob ihn die restriktive Politik der Augsburger Unternehmer davon abhielt, in oder in unmittelbarer Nähe der Stadt seine Baumwollspinnerei und -weberei zu gründen, ist nicht mehr festzustellen. Es war jedoch offenkundig, dass in Augsburg die Bankiers bestimmten, wer einen Betrieb gründen durfte und dass es durchaus das gab, was man heute als „Vetternwirtschaft" bezeichnet.

Als Folge davon investierten in Pfersee überwiegend Unternehmer aus dem Württemberger Raum, mit mehr oder weniger Erfolg.

In den Jahren 1866 bis 1888 entstanden in Pfersee elf Industriebetriebe, die über einen längeren Zeitraum hin Bestand hatten und zum Teil heute noch existieren:

4 Betriebe der Textilindustrie (Baumwollverarbeitung)

3 Betriebe der Metall- und Maschinenindustrie

2 Betriebe der Chemischen Industrie

2 Wollwäschereien

Die textilverarbeitenden Betriebe: Spinnwebereien oder reine Webereien samt ihren Zulieferer- und Ausrüsterbetrieben (die chemischen Betriebe befassten sich in jener Zeit überwiegend damit) sind somit eindeutig in der Überzahl.

Die wichtigsten Pferseer Fabriken sollen nun (in chronologischer Reihenfolge ihre Gründung oder Übersiedelung nach Pfersee) anhand einiger wichtiger Daten vorgestellt werden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Zeit vor dem 1. Weltkrieg, in der sich entschied, ob ein Betrieb konkurrenzfähig war und damit überleben konnte. Während der Weimarer Republik setzte bereits der Prozess ein, der Firmenentwicklungen auch heute kennzeichnet: nur durch Zusammenschlüsse mit anderen Betrieben zu Konzernen schien ein wirtschaftliches Überleben möglich. Außerdem ist in diesem Zusammenhang zu beachten, dass Pfersee seit 1911 keine eigenständige Gemeinde mehr war, sondern „nur" ein Stadtteil von Augsburg. Schlüsse über eine spezifisch Pferseer Art der Industrialisierung sind also nur bis zu diesem Zeitpunkt möglich.

Spinnerei und Buntweberei Pfersee

1866 gründete Johann Georg Krauß zusammen mit seinem Sohn Robert die erste Pferseer Fabrik, eine Spinnerei und Buntweberei, an der Augsburger Straße. Begonnen wurde mit 100 Arbeitern und 100 Webstühlen. Eine solche Anlage wurde nach den damaligen Maßstäben als „große Fabrik" bezeichnet. Nach 3 Jahren beschäftigte der Betrieb bereits 500 Arbeiter. Wenn man bedenkt, dass Pfersee 1866 noch keine 1000 Einwohner hatte, wird deutlich, dass die Ansiedelung dieser Firma gewaltige Veränderungen zur Folge haben musste.

1881 wurde der Betrieb in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Aufsichtsratsvorsitzender war ein Stuttgarter Unternehmer namens Solivo. Er hatte die Firma im Jahr zuvor von Krauß unter recht dubiosen Umständen gekauft. Eigentlich hatte Gottlob Emmanuel Stänglen, ebenfalls ein Stuttgarter Kaufmann, Krauß versprochen, dessen Tochter zu heiraten, den verschuldeten Betrieb billig zu ersteigern und ihn zusammen mit Krauß weiterzubetreiben. Doch nachdem er die Fabrik an sich gebracht hatte, suchte er sofort einen Käufer, den er genauso übervorteilen konnte wie Krauß - und fand Heinrich Solivo, der als Sohn reicher Eltern, der ein flottes Leben führte, charakterisiert wird. Das Kapital zur Gründung der Aktiengesellschaft kam überwiegend von der Württembergischen Hofbank. König Karl hatte seine Bankiers angewiesen, sich an aufblühenden Industrien zu beteiligen und besichtigte die Pferseer Fabrik 1881 höchstpersönlich. Er sah ein Werk, in dem alle Arbeiterinnen mit neuen weißen Gewändern bekleidet waren. Das machte Eindruck, und nach den Schilderungen und Versprechungen der ehrenwerten Herren Stänglen und Solivo mußte es sich hier um eine aussichtsvolle und entwicklungsfähige Sache handeln, wie es der spätere Direktor Eugen Dillmann in seinen Erinnerungen sarkastisch formulierte.

1903 findet sich ein bekannter Name im Aufsichtsrat der Firma: Walter Rathenau, Vorsitzender der Allgemeine-Elektrizitäts-Gesellschaft (AEG) in Berlin und späterer Außenminister der Weimarer Republik (1923 von Rechtsradikalen ermordet). Seine Berliner Handelsgesellschaft hatte schon früher Anteile an der Pferseer Fabrik erworben. 1921 übernahm der Kolbermoor-Konzern die Aktienmehrheit. Seitdem ist die Fabrik unter dem Namen Spinnerei und Weberei Pfersee bekannt.

Die SWP, so ihr Markenzeichen, hat eine sehr wechselvolle Geschichte hinter sich. Bedingt durch die unterschiedlichen Preise für Rohbaumwolle, durch die unterschiedliche Nachfrage nach bestimmten Produkten und durch die Einschnitte in die Produktion während und nach den Weltkriegen gab es sehr viele Höhen und Tiefen. Mitarbeiter wurden entlassen, es wurden neue Maschinen angeschafft, Gebäude erneuert, das Aktienkapital herauf- oder herabgesetzt, Firmen hinzugekauft oder Fusionsverträge geschlossen. Seitdem das Werk zum Kolbermoor-Konzern gehörte, beteiligte man sich auch an Unternehmen anderer Branchen. Trotz aller Schwierigkeiten blieb die SWP immer die größte Pferseer Fabrik und beschäftigte zeitweise über 1000 Arbeiter und Arbeiterinnen. Dieser Betrieb war für Pfersee und seine Industrie in allem richtungsweisend.
 


SWP

J. P. Bemberg AG

Unter diesem Namen ist die Fabrik bekannt, die gegenüber der SWP an der Augsburger Straße produzierte. Bemberg war jedoch bereits der 4. Besitzer der Weberei, die vermutlich 1866, aber in sehr kleinem Maßstab, gegründet worden war. Wichtig ist der 2. Besitzer, Isaak Bernheim. Er machte zwar bereits 1888 Konkurs, blieb aber als Unternehmer in Pfersee. Ab 1907 produzierte man bei Bemberg eine Weltneuheit: Stoffe aus Kunstseide, der sogenannten Adlerseide.

Nach 1900 hatte der Betrieb ca. 300 Beschäftigte, nach der Errichtung des zweiten Werks an der Hessenbachstraße ungefähr 700.

Geblieben ist nur der Name „Bemberg-Center" für die auf dem Firmengelände errichteten Wohnhäuser.

Maschinenfabrik der Gebrüder Demharter

1870/71 gegründet als landwirtschaftliche Maschinenwerkstätte in der Leitershoferstraße, 1910 vom jüdischen Unternehmer Siegfried Weil aus Schweinfurt gekauft. Produziert wurden weitgehend Kleinmotoren für die Landwirtschaft sowie Breitdreschmaschinen und ähnliches. 1930 wurde diese Fabrik stillgelegt.

In der Zeit während und nach dem 2. Weltkrieg wurde in den Anlagen der ehemaligen Fabrik verschiedenes produziert. Das Gebäude an der Leitershofer Straße steht heute noch und wird von unterschiedlichen Firmen genutzt, allerdings nicht mehr als Fabrik.

Chemische Fabrik v. Rad & Hirzel

Der Fabrikgründer, Albrecht Richard Heinz Wilhelm von Rad, Doktor der Philosophie, entstammte einer alten Augsburger Patrizierfamilie und war somit nicht gerade der typische Gründer einer chemischen Fabrik, die sich mit Präparaten für Färbereien und Druckereien beschäftigte. Doch entwickelte er zahlreiche Verfahren selbst und betätigte sich als technischer Leiter des Betriebs.

Diese Fabrik produzierte nur zwischen 1876 und 1924 und war recht klein (höchstens um die 10 Arbeiter), doch entsprach dies durchaus den Größenverhältnissen der chemischen Betriebe der damaligen Zeit. Die Rohstoffe wurden aus aller Welt bezogen, und Erfindergeist war eine dringende Notwendigkeit, um wirtschaftlich zu überleben. Dass ausgerechnet ein Patrizier dieses Know-how mitbrachte und dies in Pfersee umsetzte, ist ungewöhnlich. Es soll außerdem nicht verschwiegen werden, dass die Gemeindeoberen gerade dieses Werk schon ziemlich früh als großen Umweltverschmutzer erkannten und ihm Produktionsbeschränkungen auferlegten.

Süddeutsche Trikotwarenfabrik / Raff & Söhne

1877 gegründet; ab 1897 Raff & Söhne. Diese Firma spezialisierte sich zunächst auf Trikotwaren; ab 1926 stieg man auf Kunstseide um. Im Dritten Reich wurde die jüdische Besitzerfamilie enteignet. Um 1955 erfolgte das endgültige Aus: auf dem Gelände an der Ecke Kazböck-/Hessenbachstraße stehen heute ebenfalls Wohnblocks.

Raff & Söhne war trotz seiner 75 (1890) bis 249 (1914) Arbeiter und Angestellten der kleinste unter den Augsburger Textilbetrieben. Für Pfersee bot er trotzdem relativ viele Arbeitsplätze und konnte sich durch spezialisierte Produktion unter der Leitung Raffs auch halten.

Trieurfabrik v. Julius Preßl & Cie / Kalker Trieurfabrik Mayer & Co.

1885 gründete der Ingenieur Julius Preßl eine Fabrik zur Herstellung von Putzereianlagen, Transmissionen und Aufzugsanlagen jeder Art und entwickelte die meisten der dazu benötigten Maschinen selbst, 1898 verkaufte er seinen Betrieb an die Kalker Trieurfabrik, Fabrik gelochter Bleche Mayer & Co. aus Köln-Kalk. Diese Firma galt als die bedeutendste und größte dieser Art in Deutschland. 1926 ging diese jedoch in Konkurs. Den Pferseer Betrieb, an der Ecke Kirchberg-/Leonhard-Hausmann-Straße gelegen, erwarb Kurt Jacobi, der dort eine Möbelfabrik eröffnete.

Heute stehen dort ebenfalls Wohn- und Geschäftshäuser.

J.N. Eberle & Cie.

Diese Firma kam eigentlich eher zufällig nach Pfersee, da sie zur Expansion Gelände benötigte. Die erste Laubsägenfabrik der Welt war in Augsburg bereits seit 1836 ansässig gewesen und konnte sich mit dem Titel „Fabrik" schmücken, da Norbert Eberle eine Maschine zum Zahnen von Sägen entwickelt hatte, die mit einem Fußtritt in Bewegung zu setzen [war] und ... zur größeren Geheimhaltung von Frau Eberle selbst bedient [wurde].

Bis 1870 wurde auch die Fabrikation von Feilen und Uhrfedern aufgenommen. Ein paar Jahre später kamen Maschinenfedern hinzu, die dem guten Ruf der Firma aber nicht immer dienlich waren: Eine davon sollte eine traurige Berühmtheit erlangen. Eine Leipziger Firma benutzte sie für die Thomassche Höllenmaschine, welche im Bremer Hafen durch vorzeitige Explosion großen Schaden anrichtete und hunderte von Menschen zum Teil tödlich verletzte".

Um konkurrenzfähig zu sein, versuchte man, ein Kaltwalzverfahren zu entwickeln. Dies gelang 1883 und machte die Suche nach einem geeigneten Gelände mit Wasserkraft außerhalb der Stadt nötig. Fündig wurde man bei der Weißhauptschen Mühle in Pfersee, und damit begann die Geschichte des Betriebs in Pfersee.

Nach der Jahrhundertwende wurde die Firma ausgesprochen erfolgreich. Man exportierte bis nach Südamerika, erschloß den russischen Markt und gewann zahlreiche Preise auf Gewerbeausstellungen und auch auf den Weltausstellungen.

Die Produktion erfolgte teils in Augsburg, teils in Pfersee, aber die Verwaltung saß in Augsburg. Das erwies sich als hinderlich, und so begann man 1904 mit der Verlegung des Firmensitzes und der ganzen Produktion (1910) nach Pfersee.

Um einem Unternehmen von Weltruf auch das entsprechend repräsentative Fabrikgebäude zu erbauen, wurde einer der damals in Augsburg bekanntesten Architekten engagiert, Jean Keller. Von ihm stammt auch das Gögginger Kurhaus.

Die Firma J.N. Eberle ist neben Dierig der einzige noch in Pfersee verbliebene Betrieb. Aber auch sie hatte zeitweise geplant, einen anderen Firmenstandort zu suchen.

Mechanische Weberei am Mühlbach / Ch. Dierig AG

Dierig1887 gegründet als Mechanische Weberei am Mühlbach der Gebrüder Schnell. Da diese Fabrik als letzte der Baumwollwebereien entstand, musste sie sich frühzeitig spezialisieren. Es wurden Jacquardwebstühle angeschafft und Damaste mit komplizierten Mustern gewebt.

1916 kam das Aus für die Fabrik, da ihre Produktion im 1. Weltkrieg als Luxusartikel eingestuft und damit verboten wurde. Der stillgelegte Betrieb kam dem oberschlesischen Unternehmer Christian Dierig gerade recht, um auch im Westen des Reiches einen gesicherten Produktionsstandort zu erhalten. Ende 1917 kaufte er die Fabrik und machte sie zur größten Baumwolljacquardweberei Süddeutschlands.

Appretur- und Schlichtemittelfabrik R. Bernheim / Chemische Fabrik Pfersee

Die Geschichte dieser Fabrik beginnt zwar schon früh, doch entwickelte sie sich erst in der Weimarer Republik zu einem Großunternehmen. Vorher war sie weitgehend ein kleiner Familienbetrieb mit wenigen Angestellten, der sich der Herstellung von Chemikalien zur Ausrüstung von Stoffen widmete. Hauptabnehmer waren dabei aber keineswegs die in unmittelbarer Nachbarschaft der Fabrik gelegenen Pferseer Textilbetriebe, sondern solche in Thüringen, Sachsen und Niederschlesien.

1888 entstand der Betrieb unter dem Namen Röse Bernheim. Eigentlich war ihr Ehemann Isaak der Gründer, doch war er im Jahr vorher mit der Vorläuferfabrik von Bemberg in Konkurs gegangen, und ein Reichsgesetz verbot solchen Unternehmern, schnell wieder eine neue Fabrik zu gründen. So wurde Röse Bernheim praktisch „vorgeschoben", doch war sie stets eng mit der Firmenleitung verbunden. Isaak Bernheim reiste als Vertreter mit seinen Produkten durch das Land und war damit recht erfolgreich. Der Name „Chemische Fabrik" kam erst 1924.

1930 entwickelte der Chefchemiker Müller ein Einbadimprägniermittel namens Imprägnol und erhielt ein Patent dafür. Der Werbeslogan Vom Äquator bis zum Pol wird imprägniert mit IMPRÄGNOL bewahrheitete sich fast. Damit begann der Aufstieg des Unternehmens; zunächst allerdings mit der Ausrüstung von Stoffen für das Militär. Damit war der Betrieb im Dritten Reich natürlich überaus wichtig, aber er sollte nicht in den Händen der jüdischen Familie Bernheim bleiben. Deshalb wurde Willy Bernheim 1933v erhaftet unter der Anklage „Devisenvergehen" – laut Staatssekretär Reinhard für Arier ein Kavaliersdelikt, für einen Juden aber eine unverzeihliche Sünde. Die Angestellten führten den Betrieb, nun Chemische Fabrik Pfersee GmbH genannt, ganz im Sinne der Nationalsozialisten weiter und schlossen Verträge mit der IG-Farben.

Für die Expansion des Werkes war der Platz in Pfersee nun zu klein geworden. 1969 wurden Flächen in Langweid erworben und die gesamte Fabrik bis 1985 dorthin verlagert.

Heute befindet sich auf dem Firmengelände der sogenannte Pfersee-Park mit seinen Dienstleistungsunternehmen und Geschäften.

Weitere Betriebe:

Neben den hier erwähnten größeren Fabriken gab es noch einige kleinere, so z.B. die Wollwäscherei Lieb, später Putzwollfabrik Lieb. Sie existierte immerhin von 1888 bis 1960 in Pfersee an der Hessenbachstraße und überlebte als Familienunternehmen beide Weltkriege.

Eine zweite (zeitlich gesehen die ältere) Wollwäscherei war die der Familie Wiedemann an der Färberstraße, gegenüber der Bernheimschen Fabrik.

1900 gab sie auf. Wichtiger als die Fabrik war das dazugehörende Marienbad, eine Badeanstalt am Mühlbach. Auch die nachfolgenden Besitzer betrieben dieses weiter.

Nach der Wollwäscherei siedelte sich die Lederzurichterei Lohersdorfer für kurze Zeit an, danach ging der ganze Besitz einschließlich der zum Bad gehörenden Gastwirtschaft an die Pergamentfabrik Wildbrett über (1905-15). Carl Wildbrett baute alles völlig neu und übernahm sich dabei finanziell. Seine Anlagen wurden versteigert und er zog um nach Mühlhausen in Thüringen. Nach dem 2. Weltkrieg begannen die Nachkommen mit dem Wiederaufbau der Firma in Bobingen.

Die Zeit nach dem 1. Weltkrieg ist in Pfersee gekennzeichnet durch das Aufleben eines neuen Industriezweigs: zahlreiche Unternehmen der Bauindustrie trugen dem gewaltigen Bauboom in Pfersee Rechnung und vergrößerten sich bzw. fingen neu an. Zu nennen wären hier die Firmen Deurer und Baur & Hopfenzitz.

6. Arbeiten, Wohnen und Leben in Pfersee vor dem Ersten Weltkrieg

Schenkt man den Aussagen der Fabrikbesitzer bzw. der Direktoren Glauben, so war die Behandlung ihrer Arbeiter durch sie geprägt von großartiger Fürsorge und Hilfe in allen Lebenslagen. Man verstand sich als „Vaterfigur" und erwartete natürlich auch, dass man für die erwiesenen Wohltaten auch entsprechend verehrt würde. In der Realität aber erließ man strenge Fabrikordnungen, die das Verhalten des Arbeiters bis ins kleinste Detail regelten. Zuwiderhandlungen zogen strenge Strafen nach sich, die meist in Abzügen vom ohnehin schon nicht das Existenzminimum deckenden Lohn bestanden. Mangelnder Gehorsam (Definition weitgehend offen) führte auch oft zu Entlassungen. Natürlich fanden die Fabrikherrn auch gute Gründe, warum sie die Arbeiter wie unmündige Wesen behandeln mussten: ein Arbeiter müsse an Disziplin gewöhnt werden, denn nur so könne er gute Arbeit leisten. Im Hintergrund stand natürlich, dass der Unternehmer den größtmöglichen Profit erzielen wollte, und das konnte nur bei langen Arbeitszeiten, der bestmöglichen Ausnutzung der Maschinen und möglichst niedrigen Löhnen der Fall sein.

In der Zeit, in der die Industrialisierung nach Pfersee kam, hatte die bayerische Regierung schon die größten Auswüchse z.B. der Kinderarbeit durch gesetzliche Regelungen weitgehend gestoppt. Nichtsdestoweniger waren Kinder und vor allem Frauen bei allen Fabrikherrn äußerst beliebte Arbeitskräfte, denn ihnen konnte man für die gleiche Arbeit weitaus wenige Lohn bezahlen. Besonders in der Textilindustrie war der Prozentsatz an Frauen überdurchschnittlich hoch. Innerhalb der Fabrik bildeten sich verschiedene Gruppen von Arbeitern heraus: die an- oder ungelernten Kräfte (meist als Industrieproletariat bezeichnet) und die Meister oder Aufseher (heute würde man diese „Facharbeiter" nennen). Wenn „Arbeiter" in verschiedenen Kommissionen Mitspracherechte bekamen, bezog sich dies nur auf die letztgenannte Gruppe. Dem einfachen Arbeiter blieb daher nur der Weg, wenn er sich gegen unmenschliche Behandlung wehren wollte, sich einer Gewerkschaft oder der SPD anzuschließen. Genau dies zu verhindern, war erstes Ziel der Arbeitgeber. Ihre „Fürsorgemaßnahmen" zielten somit auch weitgehend darauf ab, die Arbeiter von diesen „Staatsfeinden" fernzuhalten. Trotz einiger Zugeständnisse der Fabrikleitungen organisierten sich die Arbeiter doch. Setzten sie sich mit Streiks zur Wehr, hatten sie anfangs wenig Chancen; nach 1918 änderte sich dies jedoch. Auch die soziale Absicherung, in den 1880er Jahren durch die Sozialversicherungsgesetze Bismarcks eingeführt und in der Weimarer Republik ausgebaut, brachten für die Arbeiter entscheidende Verbesserungen.

BembergWohnraum in den Vororten war wesentlich billiger als in der Stadt. Im Falle Pfersees musste dieser Wohnraum aber erst geschaffen werden. Die Fabriken siedelten sich häufig auf freiem Feld an und so entstanden um sie herum die ersten Arbeitersiedlungen. Diese wurden aber anfangs nicht von den Fabriken erbaut, sondern von Handwerkern, kleinen Geschäftsinhabern oder sogar relativ oft von den Arbeitern selbst. Die ersten Straßenzüge dieser Art waren die sogenannten 4 Querstraßen rechtwinklig zur Augsburger Straße, parallel zur Hessenbachstraße (heute Greiff-, Schwalben-, Ohnsorg- und Löwenstraße). Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts bauten die Fabriken ihre eigenen Wohnhäuser, meist in unmittelbarer Nähe des Fabrikgebäudes. Wer eine solche Fabrikwohnung bekam, musste 30 -70% weniger Miete bezahlen und bekam dafür „neuzeitlichen Komfort" wie (ab 1910) elektrisches Licht oder sogar einen kleinen Garten. Dafür musste der Betreffende allerdings treu zu seinem Fabrikherrn stehen, d.h. lange dort beschäftigt sein, stets gehorchen und vor allem nichts tun, was zur Entlassung führen könnte, denn dann war der Anspruch auf die Wohnung verwirkt. In Zeiten der Wohnungsknappheit (wie nach dem 1. Weltkrieg) wurde der Fabrikwohnungsbau vom Staat gefordert und auch begünstigt.

Alle Pferseer Großbetriebe hatten solche Arbeiterwohnhäuser. Das architektonisch markanteste Bauwerk ist zweifellos die Arbeiterkolonie der Mechanischen Weberei am Mühlbach an der Balanstraße, das noch in seiner ursprünglichen Form einschließlich des Waschhauses im Hof erhalten ist.

Geht man durch die Parallelstraßen der Augsburger Straße, fallen immer noch kleine Häuser mit Erdgeschoß und ausgebautem Dach auf. Hier handelt es sich um die typischen Arbeiter- und Handwerkerhäuser Pfersees. Doch wo heute meist nur eine Familie wohnt, hausten zum Zeitpunkt des Baus meist 2 Familien unten und zwei oben, und an der Anzahl der im Hof zum Trocknen aufgehängten blauen Arbeitsanzüge konnte man die Zahl der Familienmitglieder bestimmen.

Wie in den großen Augsburger Fabriken, gab man sich auch in der SWP eine sogenannte Fabrikordnung, in der die Pflichten der Arbeiter festgelegt wurden. Rechte gab es so gut wie keine. Hier wurden die Strafen festgelegt bei Kritik an den Vorgesetzten oder bei Nachlässigkeiten. Die Kündigungsfristen sahen vor, dass der Unternehmer beinahe sofort kündigen konnte, der Arbeiter erst nach einigen Wochen. Außerdem erhielt er den Lohn erst rückwirkend. So wurde das Wohlverhalten der Beschäftigten, die „Anhänglichkeit und Treue" durch Repressalien erkauft. Gegenseitige Bespitzelung wurde gefördert, denn keiner wollte schließlich der Schuldige sein, wenn die Firmenleitung einen Sündenbock für etwas suchte. Diese Fabrikordnungen hatten auch den Sinn, das Privatleben der Arbeiter zu überwachen. Vor allem sollte festgestellt werden, ob sie sich politisch betätigten, entweder in den aufkommenden Gewerkschaften oder gar bei den „Sozialisten", einem Sammelbegriff für alles, was nicht den Zielen der Unternehmer entsprach.

Um die Arbeiter zu Respekt zu „erziehen", war beinahe jedes Mittel recht. Direktor Dillmann von der SWP machte Schießübungen im Fabrikhof, um den Arbeitern klarzumachen, dass er es trotz seiner 24 Jahre mit jedem aufnehmen könne. Bei Klagen der Arbeiter zeigte er sich hart und unnachgiebig, getreu dem Motto, dass die Furcht vor Strafen eine bessere Arbeitsleistung hervorbringe als die Aussicht auf Belohnungen. Wollte ein Arbeiter schon nach einigen Wochen einen neuen Besen, so fehlte es ihm an Sparsamkeitssinn; als wegen des verunreinigten Wassers in der Fabrik Typhusfälle vorkamen, war das Trinkwasser natürlich von hervorragender Qualität und generell wären sämtliche Beschwerden das Produkt „sozialdemokratischer Agitation" und deshalb natürlich keineswegs ernst zu nehmen. Wenn Strafen verhängt wurden, dann selbstverständlich nur in den „mäßigsten Grenzen". Dies bedeutete z.B. noch 1913 Lohnabzüge in Höhe von 10 Pfennig bis 3,50 Mark bei Zuspätkommen oder fehlerhafter Arbeit. (Die 3,50 M entsprachen mehr als der Hälfte des Tageslohns.)

Angesichts dieser Arbeitsbedingungen ist es nicht verwunderlich, dass sich die Arbeiter hin und wieder dagegen auflehnten und es zu Streiks kam.

Alles in allem waren die Arbeits-, Lebens- und Wohnbedingungen in Pfersee nicht wesentlich anders als in anderen Orten. Die niedrigeren Löhne wurden durch die niedrigeren Mieten wieder aufgefangen; die Wohnsituation war vielleicht sogar besser als in den Städten, wo Arbeiter oft in aus dem Mittelalter stammenden und halbverfallenen Häusern dahinvegetieren mussten, wenn ihre Fabrik ihnen nicht Wohnungen baute. Ein Fußmarsch von mehr als einer Stunde bis zur Fabrik war keine Seltenheit, weder in der Stadt noch auf dem Land. Die Luft auf dem Land wurde immer noch als die gesündere erachtet, obwohl angesichts der Konzentration vieler Betriebe auf engem Raum die Luft in Pfersee sicher der in Augsburg kaum nachgestanden ist. Eines hat Pfersee aber mit allen aufstrebenden Industrieorten gemeinsam: die rapide gewachsene Bevölkerungszahl und, damit verbunden, die Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur und das Bedürfnis nach einer angemessenen Infrastruktur.

7. Veränderungen durch die Industrialisierung

In diesem Zusammenhang ist als erstes die Bevölkerungsentwicklung zu sehen.

Die Angaben der Einwohnerzahlen Pfersees schwanken je nach benutzter Statistik zwischen 800 und 996 für das Jahr 1862 bzw. 1861, also für die Zeit unmittelbar vor der Industrialisierung. Bis 1870 – am Ort arbeitete als einzige (große) Fabrik die Spinnerei und Buntweberei –wurden bereits 1854 Einwohner gezählt. Die Verdoppelung der Zahl der in Pfersee wohnenden Personen ist aber nicht ausschließlich auf die Arbeiter dieser Fabrik und deren Angehörigen zurückzuführen, sondern auch viele Bahnbedienstete schätzten die Nähe zum Bahnhof und zogen nach Pfersee.

Bis 1888, als die Fabrikneugründungen abgeschlossen waren, hatte Pfersee schon über 5000 Einwohner und somit schon die Größe einer Kleinstadt erreicht. Viele Bewohner arbeiteten aber auch in Augsburger Fabriken und umgekehrt. Durch die stets schwankende Auftragslage der Betriebe kamen in manchen Jahren sehr viele Menschen nach Pfersee und verließen den Ort nach ein paar Jahren wieder. War die konjunkturelle Lage gut, warben die Fabriken Arbeiter aus buchstäblich aller Herren Länder an; mit Schwerpunkten in Österreich-Ungarn (vor allem Böhmen), Italien und der Schweiz. Für das Jahr 1879 ergibt sich zum Beispiel, dass von 762 Beschäftigten der Spinnerei und Buntweberei nur 32 aus Pfersee und weitere 80 aus der näheren Umgebung stammten. Alle anderen waren zugewandert, davon allein 208 aus Böhmen. Viele von diesen angeworbenen Arbeiter und Arbeiterinnen blieben auch in Pfersee und trugen dadurch zum stetigen Bevölkerungswachstum bei, aber auch zur völligen Veränderung der Bevölkerungsstruktur. Die ursprünglichen Pferseer Familien stellten nur noch eine Minderheit dar; es wurden alle möglichen Dialekte gesprochen. Zu sozialen Unruhen scheint es aber nicht gekommen zu sein.

Auch die Religionszugehörigkeiten änderten sich. Durch den Zuzug von Arbeitskräften aus protestantischen Gegenden wuchs deren Gemeinde stark an, aber sie hatte bis 1888 keine eigene Kirche und danach nur ein Bethaus. 1910 wurden 9327 Katholiken, 1531 Protestanten, 27 Reformierte, 10 Altkatholiken, 8 Religionslose, 6 Neuapostolische, 2 Methodisten und je 1 Freireligiöser, Freidenker, Dissident und Mennonit gezählt, dazu 13 Juden.

Diese Statistik gibt auch Aufschluss über die Herkunft der Pferseer Ende 1910:

9563 kamen aus Bayern, 707 aus Österreich, 348 aus Württemberg, 106 aus Preußen, 87 aus Baden, 43 aus der Schweiz, 34 aus Sachsen, 12 aus Italien, 7 aus Hessen, 5 aus Russland, 4 aus dem Fürstentum Reuß (jüngere Linie), 2 aus Sachsen-Meiningen, je 1 aus dem Elsass, aus Luxemburg, Lichtenstein, Frankreich und England; 5 waren ohne Staatsangehörigkeit.

Interessant ist an dieser Statistik nicht nur der Ausländeranteil von 7%, sondern auch die Tatsache, dass 40 Jahre nach der Reichsgründung immer noch bei der Herkunft zwischen den ehemaligen Ländern des Deutschen Bundes unterschieden wurde. Zieht man dazu in Betracht, dass einem „bodenständigen" Pferseer ein Preuße oder Sachse wohl ebenso fremd war wie ein Schweizer oder vielleicht sogar fremder als ein Tiroler, findet sich im Pfersee jener Zeit durchaus etwas, was man mit dem Begriff „multikulturelle Gesellschaft" bezeichnen könnte. Heute fragt kaum noch jemand danach, ob seine Vorfahren vielleicht auch solche frühen „Gastarbeiter" waren, die bleiben durften, das Heimat- und vielleicht sogar das Bürgerrecht erhielten und voll und ganz integriert wurden - angesichts der heutigen Situation ein durchaus überlegenswerter Gedanke!

Auch der Ort veränderte sein Aussehen.

Durch den gewaltigen Zuzug hatte Pfersee viele neue Häuser bekommen und neue Straßen; die „Baulücke" zwischen den Fabriken und dem alten Dorfkern begann sich zu schließen, doch von der Infrastruktur her war der Ort immer noch sehr ländlich geprägt. An der Stadtberger- und Leitershoferstraße befanden sich viele landwirtschaftliche Betriebe. Nach der Jahrhundertwende stieg die Bevölkerungszahl innerhalb von 10 Jahren von 7000 auf über 10.000 an; die Zahl unmittelbar vor der Eingemeindung am 1.1.1911 wird mit 10.928 angegeben. Im Zuge dieser Entwicklung nahm Pfersee auch vom äußeren Erscheinungsbild her langsam städtischen Charakter an – so lange man sich nicht von der Hauptstraße entfernte. Das Zentrum verlagerte sich hin zur Augsburger St. Michaels-ApothekeStraße, die in ihrer ganzen Länge die Vorzeigestraße werden sollte. Neue Geschäfte, auch solche mit für Arbeiter eher unerschwinglichen Waren wurden eröffnet und die Pferseer Honoratioren trachteten danach, sich dort ein repräsentatives Gebäude zu errichten. Bekannt sind noch das Immler-Haus, das lange Zeit auch die Post beherbergte oder auch das Ohneberg-Haus und das im Jugendstil erbaute Gebäude der St. Michaels-Apotheke. So nimmt es nicht Wunder, dass auch die katholische Pfarrgemeinde daran dachte, eine neue Kirche zu errichten, die zentraler gelegen war als die alte und die mehr Menschen aufnehmen konnte. Nach vielen Schwierigkeiten bei der Beschaffung der notwendigen finanziellen Mittel (die Pferseer Industrie zeigte sich nicht gerade großzügig beim Spenden) wurde 1907-1910 die Herz-Jesu-Kirche errichtet, markantes Wahrzeichen Pfersees allein schon durch den hohen Turm. Dass diese Kirche eine Jugendstil-Einrichtung aufweist, die in Deutschland ziemlich einzigartig ist, ist weniger bekannt. Ähnlich bombastisch, was die Architektur betrifft, ist die während des ersten Weltkriegs erbaute Hans-Adlhoch-Schule, damals Adalbertschule. Sie wurde an der südlichen Ortsgrenze errichtet und sollte den Missstand beheben helfen, dass 100 Kinder und mehr in einer Klasse unterrichtet werden mussten.

Was nicht ausreichendem Maß gewährleistet war, war die Verkehrsanbindung an die Stadt und die Wasserversorgung bzw. die Abwasserbeseitigung. Zwar bediente die Straßenbahn (seit 1881 als Pferdebahn, seit 1898 elektrisch betrieben) Pfersee im 5-Minuten-Takt und war bis zur Leitershoferstraße ausgebaut, doch konnte diese häufig nicht verkehren, da immer wiederkehrende Hochwasser die einzige Brückenverbindung über die Wertach beschädigten oder sogar ganz wegrissen. Der Versuch, dafür Abhilfe zu schaffen und gleichzeitig die Strecke durch den Bau eines Tunnels unter dem Bahnhofsgelände zu verkürzen, entwickelte sich zu einem 15 Jahre dauernden Trauerspiel, geprägt von der Kleinkariertheit der zuständigen Verwaltungsbehörden und einem daraus resultierenden unendlichen Papierkrieg.

1905 - 1908 wurde der Tunnel gebaut, aber so schmal, dass sich die Straßenbahn- AG und der Augsburger Stadtmagistrat einen langen Briefwechsel lieferten, angereichert mit Zeichnungen, ob nun ein vollbeladener Heuwagen neben der Straßenbahn herfahren könne, ohne die am Trottoir-Rand geplanten Straßenlaternen zu rammen und ob angesichts der Tunnellänge von 175 m die Bahn schneller als Schrittgeschwindigkeit fahren dürfe (besagter Heuwagen könnte ihr ja auch entgegenkommen). Der Streit zog sich solange hin, bis die private Straßenbahngesellschaft (nicht deswegen!) von der Stadt übernommen worden war. Dann ging es plötzlich schnell und problemlos.

1906 war aber die Brücke durch ein Hochwasser weggerissen worden; die Notbrücke machte das Umsteigen der Fahrgäste vor und hinter der Brücke erforderlich. Seit diesem Zeitpunkt gab es Planungen der Stadt Augsburg, eine neue, aber möglichst billige und damit schmale Brücke zu errichten. Zur Ausführung kamen die Pläne erst im zweiten Anlauf, im Jahr 1920. In der Zwischenzeit (1909) wurde erst einmal eine Notbrücke errichtet, über die der gesamte Verkehr abgewickelt wurde – und dieser war beträchtlich, wie eine Verkehrszählung aus dem Oktober 1911 zeigt: innerhalb eines Monats überquerten 249.992 Fußgänger, 25.439 Radfahrer, 11.721 Fuhrwerke, 10.486 Straßenbahnwagen, 635 Automobile, 3.325 Kinderwagen, 7.616 Handwagen, 726 Mann Militär, je 8 geschlossene Truppen und Abteilungen Artillerie, 107 Stück Großvieh und 1017 Stück Kleinvieh die Brücke.

Der Warenverkehr der nördlich der Augsburgerstraße gelegenen Firmen wickelte sich daher teilweise über Kriegshaber ab; die südlich gelegenen hatten seit 1894 Anschluß an die Lokalbahn (damals noch mit k geschrieben). 1922 wurden Eberle und Dierig angeschlossen, aber zu dem Zeitpunkt rollte schon der Verkehr über die neue Luitpoldbrücke.

Trotz der eindeutigen Verbesserungen hatten die im Süden Pfersees gelegenen Neubauviertel, darunter das als Gartenstadt nach dem Vorbild des Thelottviertels angelegte Prinzenviertel, das auch Angehörige höherstehender Berufsgruppen nach Pfersee bringen sollte, überhaupt keine Verkehrsanbindung. Die Bewohner mussten bis zur Augsburger Straße laufen. Eine zweite Brückenverbindung, der Gollwitzersteg, 1920 in Angriff genommen, war nur für Fußgänger ausgelegt. 1915 wurde immerhin die Straßenbahn bis zum 1912 erweiterten Westfriedhof verlängert.

8.Die Eingemeindung

Die Anfänge der Bestrebungen Pfersees, die Eingemeindung nach Augsburg zu erreichen, gehen bis auf das Jahr 1903 zurück. Zu dem Zeitpunkt stellte sich für das Dorf Pfersee die Frage, ob man sich angesichts der bald erreichten Einwohnerzahl von über 10.000 darum bemühen sollte, selbst Stadt zu werden oder eben seine Selbständigkeit aufzugeben. Der Anstoß zu diesen Überlegungen kam dabei keineswegs von der politischen Führung, sondern von den Geschäftsleuten unter weitgehender Unterstützung der Industrie. Bürgermeister Lutz verhielt sich eher abwartend und zurückhaltend.

Auf den ersten Blick schien die Aufgabe der kommunalen Eigenständigkeit nur ein Abwälzen der großen Probleme auf die Stadt Augsburg zu sein, deren Finanzkraft so eingeschätzt wurde, dass sie die Dinge bewältigen könnte, die in Pfersee dringlich anstanden: die Kanalisierung und die Trinkwasserversorgung sowie ein neues Schulgebäude. Andererseits gehören zu einer Eingemeindung immer zwei, und somit sollte Pfersee auch Augsburg als Stadtteil gewisse Vorteile bringen.

Zu dieser Zeit führten alle größeren bayerischen Städte Eingemeindungsverhandlungen, die zum Teil schon abgeschlossen waren. Außer Pfersee zeigten auch Göggingen, Lechhausen, Oberhausen und Meringerau Interesse, von Augsburg einverleibt zu werden. Insofern waren die Pferseer Bestrebungen nicht nur vor dem Hintergrund eigener Schwierigkeiten und Unzulänglichkeiten zu sehen, sondern lagen sozusagen im Trend der Zeit.

Nach der Abklärung der jeweiligen Interessenlage sollten die Verhandlungen über den Vertragstext beginnen. Doch verzögerte sich dies wegen der Pferseer Gemeinderäte erheblich. Obwohl das Bürgerkomitee, das die Verhandlungen initiiert hatte, regelmäßig auf den Gemeindeversammlungen aller Bürger satte Mehrheiten bekam, war das Projekt bei den Gemeinderäten sehr umstritten und Bürgermeister Lutz erwies sich trotz gegenteiliger Versicherungen häufig als Bremser. Wenn die Stadt die Gemeinderechnungen zur Prüfung einsehen wollte, was sie als ihr gutes Recht ansah und auch vertraglich festgelegt hatte, dauerte es in einem Fall fast ein Jahr, bis Lutz diesem Ansinnen nachkam. Als dieses Problem endlich geklärt war, forderte der Distrikt Augsburg von den Gemeinden, die sich von ihm lösen wollten, eine so horrende Summe für das ihm entgehende Steueraufkommen, dass die Verhandlungen beinahe scheiterten. Erst 1909 ging der Landkreis von diesen Forderungen ab. Gleichzeitig war der Eingemeindungsvertrag nach vielem Hin und Her und zahlreichen Änderungen beider Seiten unter Dach und Fach.

Im Juni 1910 traf endlich der langersehnte Brief des Königlichen Staatsministerium des Inneren ein, in dem es hieß:

Seine Königliche Hoheit Prinz Luitpold, des Königreich Bayerns Verweser haben allergnädigst geruht: [...]

2) mit Wirkung vom 1. Januar 1911 unter Bezugnahme auf die Zusicherungen der Stadt Augsburg gegenüber der Distriktsgemeinde Augsburg die Abtrennung der Gemeinden Oberhausen und Pfersee von dem Kgl. Bezirksamt und Kgl. Landrentamt Augsburg und deren Zuteilung zum Distriktsverwaltungsbezirke der Stadt Augsburg und zu dem Bezirke des Kgl. Stadtrentamtes zu verfügen.

Oder, in einfacheren Worten: damit war die Vereinigung der Gemeinden Meringerau, Oberhausen und Pfersee mit der Stadt Augsburg ab dem 1.1.1911 von höchster Stelle genehmigt.

In Pfersee selbst wurde dieser entscheidende geschichtliche Schritt vom amtierenden Bürgermeister Müller (Lutz war während seiner Amtsperiode 1909 gestorben) so gewürdigt:

Wenn wir einen Blick nach rückwärts werfen, so dürfen wir wohl sagen, dass die Gemeinde Pfersee in verhältnismäßig kurzer Zeit eine ungeahnte Entwicklung genommen hat. Die Bevölkerung hat sich stark vermehrt, damit sind auch die öffentlichen Bedürfnisse gewachsen. Die Gemeinde Pfersee war zwar formell noch Landgemeinde, hatte aber schon stadtähnliche Verhältnisse. [...] Zwar wird hie und da schon über die Eingemeindung kritisiert, aber ich glaube, dass dieser Schritt doch nur zum besten der Gemeinde ausfallen und dass die Zukunft lehren wird, dass wir damit recht getan haben.

Der offizielle Übergabeakt erfolgte bereits am 31.12.1910 im Mädchenschulhaus und bestand überwiegend aus Festreden der Beigeordneten Müller aus Pfersee und Oberbürgermeister Wolfram aus Augsburg, in denen das gute Einvernehmen beider Seiten betont und hervorgehoben wurde, in welch mustergültiger Ordnung Pfersee alles hinterlassen hatte. Umrahmt wurde die Veranstaltung durch den Chor der Schule, der vor der in den Augsburger Stadtfarben dekorierten Rückwand des Saales (passenderweise) „Deutschland, Deutschland über alles" sang.

Der offizielle Festakt dagegen fand erst am 9. Januar im Herrle-Saalbau in Augsburg statt und dürfte der Mehrheit der Pferseer Bevölkerung eher in unangenehmer Erinnerung geblieben sein: Frauen waren dabei nämlich nicht erwünscht. Man begründete dies zwar mit den beschränkten Raumverhältnissen, doch hieß es am nächsten Tag - nicht gerade unerwartet - im Pferseer Amts- und Anzeigeblatt: Die Feier war nicht so besucht, wie es eigentlich hätte erwartet werden können. Neben den Festreden gleichen Inhalts wie in Pfersee wurden Konzertvorträge streng künstlerischen Charakters dargeboten. Ein Rahmenprogramm gab es natürlich auch: am 8.1. fanden 3 Kirchenorgelkonzerte statt, im Stadttheater wurde für alle Schulkinder kostenlos „Robinson Crusoe" aufgeführt. Am Sonntag, dem Tag der damenlosen Feier, wurde ein Blumenkorso mit Equipagen, Automobilen und Fahrrädern abgehalten, es gab einen Massenaufflug von Militärbrieftauben, der Stadtgarten wurde festlich beleuchtet und 3 Regimentskapellen spielten in einem Monstrekonzert auf. Die Hauptattraktion des Tages fehlte aber: der angesagte und sehnlichst erwartete Zeppelin blieb leider aus!

Für die Pferseer Schulkinder ist der Übergabeakt sicher in angenehmer Erinnerung geblieben: nicht wegen der Festmedaille, die jedes Kind erhielt, sondern wegen des Paars Regensburger, des Salzkipferl und der Tafel Schokolade, die zu diesem Anlaß verteilt wurden

Im großen und ganzen änderte sich in Augsburg 8, wie Pfersee postalisch gesehen nun hieß, relativ wenig. Für die meisten Bewohner spielte es keine Rolle, ob sie nun in der Gemeinde Pfersee oder im Vorort Pfersee wohnten, und es endete damit auch nicht die Pferseer Geschichte . Wer sich vorher als Pferseer fühlte, konnte dies auch danach noch tun; statt der Gemeinderäte gab es nun Vertreter im Stadtrat. Versuche, so etwas wie eine Pferseer „Identität" zu schaffen, wie sie heute gemacht werden, waren 1911 undenkbar. Arbeit, Wohnung und ein halbwegs ausreichendes Einkommen waren damals die Dinge, die die Mehrheit der Pferseer Bevölkerung interessierte.

Insgesamt betrachtet setzten sich in Pfersee eigentlich alle Trends aus der Zeit vor der Eingemeindung fort. Der 1. Weltkrieg und keineswegs die Aufgabe der Selbständigkeit brachte den großen Einschnitt, was das Wachstum der Industrie und, damit eng verknüpft, das Wachstum der Bevölkerung angeht. An den Folgen des verlorenen Krieges hatten die Industriebetriebe, die zum größten Teil während der Kriegsjahre stillgelegt wurden, noch lange zu tragen. Entscheidend in diesem Zusammenhang sind auch die Auswirkungen der Inflation des Jahres 1923. Die rechtlichen und politischen Konsequenzen der Eingemeindung nehmen sich demgegenüber absolut bescheiden aus.

9.Der erste Weltkrieg und die Nöte der Bevölkerung

In den 20er Jahren erschien im Pferseer Anzeigeblatt eine Serie namens „Schwere Zeiten", verfasst von Andreas Müller. Er blickt dabei in groben Zügen auf die Nöte der Bevölkerung zurück, ohne allerdings immer konkret auf Pfersee einzugehen. An anderer Stelle berichtet er, dass sich in den alten Schulhäusern das 3. Rekruten-Depot befand, und dass sich die Bevölkerung über das feierliche Weihnachtsfest freute, das die Soldaten 1915 in Pfersee veranstalteten.

Der Krieg hatte im August 1914 begonnen, laut Müller mit „großer patriotischer Begeisterung" und einer „krankhaften Spionenriecherei": „Es war gar nicht ratsam, fremdländisch zu reden oder sich auffällig zu kleiden." An einem Tabak- und an einem Wolltag zeigte sich die Bevölkerung noch spendierwillig, doch bald gab es die Lebensmittelmarken, und Nahrungsmittel wurden im Gegensatz zu den Marken knapp.

So wurde z.B. in der Körnerstraße, in der Wirtschaft der Spinnerei und Weberei Pfersee, am 1. Mai 1916 eine Kriegsküche eröffnet, wo man mit Lebensmittelmarken und gegen die wöchentliche Vorauszahlung von 3,60 Mark ein Mittagessen, bestehend aus Suppe, Fleisch und Gemüse erstehen konnte.

Wie es im allgemeinen um die Lebensmittelversorgung bestellt war, beschreibt Müller so:

„Die Straßenpolonaisen waren an der Tagesordnung. Von diesen lieben Einrichtungen erzählten die erfrorenen Füße, die blauen Nasen und Backen, die rheumatischen Schmerzen, die man sich leicht holen konnte beim stundenlangen Anstehen vor den Metzger- oder Bäckerläden, oder beim Abraufen um einen Schoppen Milch, um 1/8 Pfund oder 62 1/2 Gramm Butter, um ein einziges Ei. ... Ratlos stand die Mutter oft am Küchenschrank mit den Marken in der Hand, wartete schmerzlich auf die Zeitung, um allenfalls zu erfahren, welche Einkaufsmarken heute noch verwertet werden können."

Auch die Biertrinker hatten Einschränkungen bei den Ausschankzeiten hinzunehmen; das Bier wurde teurer, dafür wurde der Gehalt an Stammwürze gesenkt. 1918 schließlich erfolgte auch noch eine Mengenbeschränkung auf einen halben Liter mittags und einen ganzen abends.

„Die Zeit brachte auch manche Farbumwandlung: das Weißbrot wurde schwarz, das Schwarzbrot bleigrau, die weiße Milch bläulich, das Braunbier wasserhell und die Weißwurst vollständig farblos – unsichtbar."

Ein Detail am Rande: Eine „Folge" der hohen Preise für Pelze war, laut Müller, die Zunahme von Katzendiebstahl.

Die Pferseer Bevölkerung wurde sicher besonders hart getroffen, denn die Industriebetriebe mussten wegen des Kohlenmangels und wegen der englischen Blockade gegen Rohstoffe spätestens 1917 schließen. Damit gingen die Arbeitsplätze der Frauen verloren, die die Produktion noch aufrecht erhalten hatten. Eine Normalisierung der Verhältnisse erfolgte erst Anfang der 20er Jahre. Da die erste Folge von Müllers Erinnerungen 1924 erschien, ist der Sarkasmus gegenüber den Zuständen unverkennbar.

Eine erst in jüngster Zeit „entdeckte" Begegnung machte ebenfalls Geschichte – Literaturgeschichte. Ab 1915 lebte nämlich in der Metzstraße 11 eine Bürstenbinderfamilie, deren Sohn Johann in Augsburger Kneipen herumzog, Lieder dichtete und sang, aber meist durch Betrunkenheit und Schlägereien auffiel. Er – Johann Baal – muss dem jungen Bertolt Brecht so imponiert haben, dass er ihn zum Vorbild für das gleichnamige Werk nahm.

10.Bemerkenswertes aus der Weimarer Republik

Die Weimarer Republik (1919-1933) stellte den ersten Versuch dar, Politik nach demokratischen Spielregeln zu machen. Während auf der Reichsebene der Beschluss zu Wahlen zu einer verfassungsgebenden Nationalversammlung getroffen wurde, um Deutschland zu einer parlamentarischen Demokratie zu machen, wurde in Bayern das „Gegenmodell" erprobt, ein Rätesystem nach sowjetischem Vorbild. Als aber die Vertreter dieser Richtung bei Wahlen im März 1919 eine vernichtende Niederlage erlitten, sollte dieses Experiment eigentlich beendet sein. Doch die Anhänger der Rätedemokratie wollten dies nicht wahrhaben und führten einen blutigen Kampf gegen die parlamentarisch-demokratisch eingestellte neue SPD-Regierung Bayerns. Im April 1919 kam es deshalb in Augsburg zu den sogenannten Osterunruhen, zu Kämpfen bayerischer und württembergischer Regierungseinheiten gegen die Augsburger Räterepublikaner. Auch viele Pferseer Arbeiter hatten sich angeschlossen. Ihnen oblag die Verteidigung des Wertachufers von der Brücke bis zum Eisernen Steg. Ihren größten „Erfolg" erzielten die Aufständischen mit dem Abschuss eines Flugzeugs, das auf der Perzheimwiese notlanden konnte. Der Passagier, ein Abgesandter der bayerischen Regierung, blieb unverletzt – und er vermittelte schließlich den Frieden zwischen den Parteien.

Bereits im Januar 1919 hatten die oben erwähnten Wahlen zur verfassungsgebenden Nationalversammlung stattgefunden. Die wahlberechtigten Pferseer (erstmals auch die Frauen) stimmten mit deutlicher Mehrheit für die SPD; die USPD (Unabhängige Sozialdemokraten, die Anhänger der Räterepublik) fanden relativ wenig Zuspruch. Mehr als die hohe Politik hatte die Pferseer in diesem Januar aber sicher ein erneutes Hochwasser beschäftigt. Die Schleuse am Mühlbach war durchgebrochen und man überlegte nun, Schadenersatzforderungen an die Triebwerksbesitzer entlang des Baches zu stellen.

Kurz nach den Osterunruhen entschloss sich der Turnverein Pfersee, wieder Mitglieder anzuwerben und Übungsstunden anzubieten – ein erster Versuch, wieder zur Normalität des Alltags zurückzukehren. Dass davon aber insgesamt nicht die Rede sein konnte, belegen die blutigen Lebensmitteldemonstrationen („Wir fordern Preisabbau und besseres Brot") in Augsburg im September 1920 und die ständigen Berichte über Kohle- und Papierknappheit.

1921 erschütterte ein brutaler Raubmord die Pferseer. In der Stadtbergerstraße wurde die Ehefrau eines Bäckers erdrosselt vorgefunden; zusätzlich hatte ihr der Täter mit einem Beil den Kopf gespalten. 10.000 Mark, der Erlös des Hausverkaufs, waren verschwunden.

Ob der Glühlichtbirnen-Marder, der im März 1921 in einigen Pferseer Treppenhäusern die Glühbirnen herausschraubte, aus Not oder aus Übermut handelte, ist nicht mehr nachzuvollziehen.

Politisch war der Neubeginn in Pfersee genauso wenig neu wie im übrigen Reich. Am Wählerverhalten hatte sich nichts geändert, an den Personen schon gar nichts. Wie im Reich die alten Eliten an der Macht blieben, blieben auch die Pferseer Honoratioren tonangebend. Diese Kontinuität auf kommunaler Ebene war aber eher von Vorteil, denn nun sollten endlich die im Eingemeindungsvertrag vorgesehenen Großprojekte wie die Tieferlegung der Wertach, der Wertachkanal und die Brücke in Angriff genommen werden.

Wie 1911 festgelegt, wurden sowohl Abwasserkanäle als auch Trinkwasserleitungen gebaut, und das sogar in kürzerer Zeit als erwartet und in großzügigem Ausmaß. Man hatte das Bevölkerungswachstum aufgrund der alten Zahlen hochgerechnet, erwartete 30.000 Einwohner bis 1927 und plante entsprechend. (Diese Einwohnerzahl ist bis heute nie erreicht worden – aktueller Stand ca. 20.000 seit der Bebauung der Uhlandwiesen.) Da die Wertachbrücke 10 Jahre lang im Planungszustand verblieb, wurden die Leitungen zunächst allerdings nur provisorisch unter der Notbrücke verlegt. Um Ausreden, warum der Neubau nicht erfolgte, war die Stadtverwaltung nie verlegen: die Notbrücke sei nicht baufällig (ein paar Tage später wurde sie durch ein neues Hochwasser fast zum Einsturz gebracht), der Verkehr sei nicht allzu groß (siehe die Verkehrszählung von 1911!), während des 1. Weltkriegs könne man sowieso nicht bauen (die Straßenbahn wurde 1915 bis zum Westfriedhof verlängert und auch die Adalbertschule wurde 1915-17 errichtet) und überhaupt bräuchte man erst einmal Hochwasserschutzbauten. Dieses letzte Argument war das einzig stichhaltige, denn man hatte sich entschlossen, die Hochwassergefahr ein für allemal durch den Bau eines neuen Kanals parallel zur Wertach zu beseitigen. Damit musste die Brücke natürlich länger werden. 1920/21 wurden beide Projekte endlich vollendet.

Die große Inflation des Jahres 1923 hatte natürlich auch ihre Auswirkungen auf Pfersee. Zahlte man im Januar „nur" 400 Mark für ein Pfund Brot und 30 Mark für eine Semmel, so kam man bis Oktober, als die Inflation ihren Höhepunkt erreichte, mit dem Neudruck des Geldes gar nicht mehr nach, und die vielen Nullen an den Preisen vermehrten sich beinahe von Tag zu Tag. Das Pferseer Anzeigeblatt stellte am 20.10.1923 sein Erscheinen ein. Es kostete zu diesem Zeitpunkt monatlich 4 Millionen Mark frei Haus. Als es am 16.2.1924 wieder erschien, waren gerade noch bzw. wieder 25 Pfennig im Monat zu zahlen.

Dass Pfersee, nun einer von vielen Stadtteilen Augsburgs, immer noch von seinen Fabriken und der Arbeiterbevölkerung geprägt war, lässt sich auch an den Ergebnissen der Reichstagswahlen ablesen. 1924 z.B. lag die SPD weit vor der BVP (Bayerische Volkspartei; bayerischer „Ableger" der Zentrumspartei). In Gesamt-Augsburg ist dieser Abstand viel geringer. Aber auch die extremen Parteien hatten bei den Pferseern wenig Chancen. Nur 12 Wähler wollten die (kommunistisch orientierte) USPD. Mehr Erfolg, aber ebenfalls prozentual weniger als in Augsburg, hatten die erstmals bei dieser Wahl angetretenen rechtsradikalen Parteien wie die NSDAP oder andere „völkische" Gruppierungen. Auch die Gemeinderatswahlen hatten ein ähnliches Ergebnis.

Im Ort Pfersee setzte sich die rege Bautätigkeit aus der Vorkriegszeit unvermindert fort. Neue Straßenzüge oder sogar ganze Viertel entstanden. Bemerkenswert dabei sind die Baugenossenschaftssiedlungen, zum einen im Bereich der Ganghoferstraße (hier entstanden überwiegend Reihenhäuser für Beamte) und zum anderen in der Pürnerstraße (große Wohnblocks mit billigen Arbeiterwohnungen). Ferner erweiterte sich die Bebauung in Richtung Treu- und Egelseestraße und 1930 schließlich auch im Norden durch die Häuser der Baugenossenschaft des Post- und Telegraphenpersonals an der Speyerer Straße (damals eine architektonische Besonderheit). Die Industriebetrieben investierten ebenfalls in neue Fabrikgebäude und Arbeiterwohnhäuser (für letztere gab es in dieser Zeit Steuererleichterungen), vor allem Bemberg und Bernheim (Chemische Fabrik). Das Postgebäude entstand, die Marienkapelle in Herz Jesu wurde fertiggestellt, die Straßenbahn zweigleisig ausgebaut. Das Kino brachte Abwechslung in den Alltag und man feierte wieder die gewohnten Feste. Der bei der Eingemeindungsfeier so sehnlich erwartete Zeppelin zog seine Kreise erst 1928 über Pfersee. 1925 kam die erste Ärztin in den Ort, Sophie Wassermann. Da sie jüdischen Glaubens war, endete ihre Arbeitsmöglichkeit in Pfersee mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Sie wird als eine hoch geschätzte und beliebte Ärztin beschrieben.

Aus dieser Zeit vermeldet das Anzeigeblatt weiterhin eine Überschwemmung durch den Brunnenbach und die daraufhin erfolgte Korrektur des Mühlbachs, sowie einen extrem kalten Winter 1929 mit Temperaturen zwischen minus 25 und 30 Grad.

1929 ist auch das Jahr der Weltwirtschaftskrise und, damit verbunden, des Beginns der hohen Arbeitslosigkeit und der politischen Radikalisierung. Die Unfähigkeit der Parteien im Reichstag und der Regierungen, überhaupt noch Entscheidungen zu treffen, führte zu einer Präsidialdiktatur. Reichspräsident von Hindenburg, nicht gerade ein glühender Verfechter der Demokratie, regierte mit Hilfe des Artikels 48 der Weimarer Reichsverfassung, der in Notsituationen (welche nicht genau definiert waren) praktisch die Ausschaltung des Parlaments ermöglichte und eine Gesetzgebung nur durch Kanzler und Präsident vorsah. Die nationalkonservativen Reichskanzler trugen zur Verdrossenheit des Volkes mit der Politik bei; die Wahlerfolge der Nationalsozialisten in ganz Deutschland zeigen dies deutlich.

In Pfersee überholte die BVP bei den Reichstagswahlen 1930 die SPD, wohl hauptsächlich bedingt durch die mittlerweile nicht mehr so eindeutig von der Arbeiterschaft geprägte Bevölkerungsstruktur. Die NSDAP bekam 90 Stimmen mehr als die KPD, aber nur ca. ¼ der BVP-Stimmen. Dennoch ist die Polarisation auf die extremen Parteien auch in Pfersee als Trend erkenntlich.

Das Jahr 1932 war gekennzeichnet durch zahlreiche Wahlen, von denen hier die des Reichspräsidenten und die zweite Reichstagswahl im November dieses Jahres herausgegriffen seien. Der Reichspräsident wurde in der Weimarer Republik direkt vom Volk gewählt, 1932 in zwei Wahlgängen. In der Stichwahl zwischen den drei erfolgreichsten Kandidaten des 1. Wahlgangs – Hindenburg, Hitler und Thälmann (KPD) hießen die Bewerber; die Parteien, die die Demokratie stützten, hatten es nicht mehr zustande gebracht, einen aussichtsreichen Kandidaten aufzustellen – erhielt Hindenburg in Pfersee 5727 Stimmen (42 weniger als im 1. Wahlgang), Hitler konnte sich von 1992 auf 2144 Stimmen verbessern, Thälmann verlor sogar 230 Stimmen und erhielt nur noch 473. Damit liegt das Ergebnis für Hitler um einiges unter dem Reichsergebnis. Gleiches lässt sich auch bei der 2. Reichstagswahl dieses Jahres feststellen: SPD 28,6%, BVP 28%, NSDAP 23,5%, KPD 13,3%. (Zum Vergleich wieder die Reichsebene: SPD 20,4%, NSDAP 33,0%, KPD 16,8% - die BVP als rein bayerische Partei schlägt insgesamt nur mit 2,9% zu Buche; das Zentrum erhielt 11,9%.)

Die Probleme, die zum starken Anwachsen der Zustimmung zur NSDAP führten, waren auch in Pfersee nicht geringer als anderswo, speziell die Arbeitslosigkeit und die Verarmung der unteren Schichten. So charakterisiert das Anzeigeblatt das Jahr 1932 als „eines der schlimmsten nach dem Krieg mit Arbeitslosigkeit und Verwilderung der politischen Sitten".

Die reale Gefahr, die von Hitler ausging, wurde generell unterschätzt. Die alten Eliten der Kaiserzeit, die durch die gesamte Phase der Demokratie kaum an Macht verloren hatten, meinten, sie könnten Hitlers Einfluss so weit eindämmen, dass er – auch als Reichskanzler – ihnen nicht gefährlich werden könnte. Doch mit der (verfassungsmäßig völlig legalen) Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30.1.1933 hatten sie ihr eigenes Todesurteil unterschrieben. Was folgte, ist allgemein bekannt und braucht hier nicht näher erläutert zu werden.

11. Pfersee im Dritten Reich – Alltag und Krieg

Die letzten „freien" Reichstagswahlen fanden am 5.3.1933 statt. Vorangegangen war der „Wahlkampf" der Nationalsozialisten, d.h. das offene Vorgehen vor allem gegen kommunistische, aber auch gegen sozialdemokratische Kandidaten und deren Anhänger. Mit dem Reichstagsbrand und der am Tag darauf erlassenen Brandverordnung, einer jener auf Artikel 48 der Weimarer Verfassung beruhenden Notverordnung, wurden ab dem 28.2.1933 Kommunisten und Sozialisten ihrer Rechte beraubt, sie konnten willkürlich verhaftet werden und ein weiterer Wahlkampf wurde für sie unmöglich gemacht. Dennoch entschieden sich 2292 Pferseer für die SPD und 692 für die KPD. Auf die Bayerische Volkspartei entfielen 2357 Stimmen. Die NSDAP wählten 2911 Bürger – weitaus weniger als auf der Reichsebene, wo die NSDAP 43,9 % und die SPD nur 18,3% erhielt.

Die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler und seine ersten Aktionen in punkto Ausschaltung der Demokratie werden vom Pferseer Anzeigeblatt nicht zur Kenntnis genommen. Im Februar heißt es „Wir stehen mitten im Fasching", und dementsprechend werben die Gaststätten für ihre Bälle. Ein Anzeigeblatt hat aber auch die Verpflichtung, offizielle Verlautbarungen zu veröffentlichen, und so findet sich in der gleichen Februarausgabe auch ein Aufruf zur Musterung von Reichswehrrekruten (!) – die allgemeine Wehrpflicht wurde von Hitler (als Bruch des Friedensvertrags von Versailles) 1935 eingeführt. Erst im Dezember schlägt die NS-Propaganda im Anzeigeblatt so richtig zu: Es findet sich ein langer, auch typografisch abgesetzter Appell an die „deutsche Frau", durch den Kauf von Weihnachtsgeschenken zur Beschaffung von Arbeit beizutragen. Eine Nummer später wird deutlich, dass es in Pfersee eine NS-Frauenschaft gab – sie veranstaltete eine Weihnachtsfeier. Die Ausgabe vom 30.12.1933 beinhaltet das übliche „Wir wünschen unseren Lesern ein glückliches 1934", ‚garniert’ zum ersten (aber auch für die nächsten Jahre zum letzten Mal) mit einer Lobpreisung der großen Taten des Führers.

Auch 1934 wird auf den ersten Blick noch nicht deutlich, dass eine neue Zeit begonnen hat. Es finden sich die üblichen Artikel über die Tätigkeit der Gemeinde, z.B. das Erteilen von Baugenehmigungen, die Gottesdienstzeiten, die Vereinsnachrichten und Sportberichte. Man muss schon genauer lesen, um auf konkrete NS-Nachrichten zu stoßen. So heißt es z.B. bei einem Artikel über eine Betriebsversammlung der Fleischwarenfabrik Reiter, dass diese „mit einem dreifachen Sieg-Heil auf unseren Führer" geschlossen wurde. Als unkommentierte Meldung erscheint, dass im Zuge der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen im Straßen- und Kanalbau in der Hessenbach-, Reinöhl- und Eberlestraße insgesamt 80 Arbeiter eingesetzt wurden. Im Oktober 1934 ist die Einteilung der Ortsgruppen der DAF aufgeführt, dem „Nachfolger" der Gewerkschaften, die in dieser Deutschen Arbeitsfront gleichgeschaltet wurden. Erste Hinweise auf die Vorbereitung des Volkes auf einen kommenden Krieg (die damals sicher nicht so interpretiert wurden) finden sich in Bezug auf die Tätigkeiten der Luftschutzwarte. Ihnen wurden die zukünftigen Aufgaben in Lichtbildvorträgen erklärt und sie mussten für eine Entrümpelung von Speichern sorgen. Brennbare Materialien sollten gesammelt und „bedürftigen Volksgenossen zugänglich gemacht" werden.

Außerdem gab es in Pfersee einen Stützpunkt der Kriegsopferversorgung. Dessen Monatsversammlung wurde durch „mannhafte Worte" des Ortsgruppenleiters der NSDAP ‚bereichert’.

Was allerdings sofort ins Auge fällt, da es auch mit Anzeigen versehen ist, sind die Sammlungen für das Winterhilfswerk und die Verkündigung des ersten Eintopfsonntags (und der weiteren Termine dafür). Am 14.10.1934 waren dafür nur zugelassen: Löffelerbsen mit Einlage, Nudelsuppe mit Rindfleisch, Gemüsetopf mit (zusammengekochter) Fleischeinlage.

Ab 1935 erscheinen als groß angelegte Serie Feldzugserinnerungen aus dem ersten Weltkrieg. Pferseer Ereignisse spielen eine immer geringere Rolle in diesem Blatt; statt Aktualitäten finden sich immer mehr „Geschichten"; als Zeitdokument ist das Anzeigeblatt nicht mehr zu verwenden.

Über die Rolle, die die Industriebetriebe gespielt hatten, ist noch nichts erforscht. Bekannt ist, dass der damalige Direktor von Bemberg, Robert Eisenmeier, auch IHK-Vorsitzender war und im von der NSDAP umgestalteten (und bestimmten) Stadtrat saß. Deshalb wurde seine Fabrik auch mit zahlreichen NS-Auszeichnungen versehen. Ferner weiß man, dass zwei Betriebe mit jüdischen Eigentümern (jüdisch in der Definition der Machthaber) enteignet wurden: Bernheim und Raff. Über das Schicksal der Besitzer hat Gernot Römer einiges herausgefunden. Als Beispiel sei die Familie Weil genannt, deren Fabrik aber bereits 1930 stillgelegt worden war. Über die Gründe dafür schweigt sich das Pferseer Anzeigeblatt aus, aber zumindest scheint der Antisemitismus der Nationalsozialisten wegen des frühen Zeitpunkts hierfür nicht ausschlaggebend gewesen zu sein. Dass die Familie von den braunen Machthabern verfolgt wurde, steht jedoch außer Zweifel: Leo Weil, Sohn des Fabrikbesitzers, floh 1936 zusammen mit seiner Schwester und seinem Vater nach Amsterdam zu einem Onkel. Als die deutschen Truppen dort einmarschierten, ging er in den Untergrund. Dreimal wurde er verhaftet, schließlich floh er und schlug sich nach Frankreich durch. Mit Hilfe von gestohlenen Wehrmachtspapieren gelang es ihm, holländische Juden und englische Piloten in das Baulager zu holen, wo er arbeitete. Von dort konnten sie sich dann in Sicherheit bringen. Im Juli 44 jedoch wurde er entdeckt; ein Todesurteil und die Einlieferung ins KZ Buchenwald waren die Folge. Leo Weil überlebte und wohnt heute in Brasilien.

In den Betrieben wurden gemäß dem auf Parteiebene geltenden Führerprinzip Vertrauensleute gewählt. Die handverlesenen Personen der NS-Betriebsorganisation hatten also auch auf Fabrikebene die Umsetzung der NS-Ideologie zu kontrollieren. Die „Wahl" endete meist mit großen Mehrheiten für die NSBO-Vorschläge.

Als 1939 der Krieg begann, war alles bereits so von der Ideologie durchdrungen worden, dass jedes Abweichen vom „richtigen Pfad" bereits offenen Widerstand bedeutete. Für die Fabriken hieß das, dass sie so an das System angepasst waren, dass die üblichen Betriebsappelle mit NS-Propaganda zum Alltag einfach dazugehörten. Dies bedeutet aber wiederum nicht, dass alle Beschäftigten auch die NS-Ideologie unterschiedslos unterstützten. Wie der Alltag aussah, ist an einigen Beispielen aus den Akten der SWP zu sehen:

Frauen wurden zum Luftschutz-Bereitschaftsdienst eingeteilt; Männer, die mit 70 oder 75 Jahren „noch" in der Fabrik arbeiteten, wurden besonders geehrt, für das Mutterehrenkreuz gab es drei Tage Sonderurlaub. Bei den zahlreichen Betriebsappellen wurden die Arbeiter z.B. über den „Schicksalskampf im Osten" unterrichtet. Eine Frauengruppe packte „Liebespakete" für die Soldaten. Die kleinen Vergnügungen des Alltags wurden von den Machthabern geschickt dosiert: Winterwanderungen und Theaterabende wurden organisiert. Andererseits häufen sich aber auch die Strafzahlungen bei nachlässiger Arbeit; Arbeitsmangel wurde durch die Einführung von Hausarbeits- und Waschtagen kaschiert.

Ende 1942 bekam die SWP Ostarbeiterinnen vom Arbeitsamt zugewiesen. Der Betriebsführer erklärte dazu, „dass wir diese zwar nicht gerade als unsere Feinde betrachten wollen, für sie aber doch auch keine irgendwie freundschaftlichen Gefühle aufkommen lassen dürfen."

Die Beschäftigung von sogenannten Ost- oder Fremdarbeitern oder Kriegsgefangenen war vermutlich in allen oder zumindest den meisten Pferseer Fabriken üblich. Dass das KZ Dachau in der Luftnachrichten-Kaserne ein Außenlager unterhielt, ist bekannt. Dessen Insassen mussten bei Messerschmitt oder ähnlichen kriegswichtigen Betrieben in Augsburg arbeiten oder auch in Pfersee. (Vgl. die Arbeit von Wolfgang Kucera über die Zwangsarbeiter in Augsburg)

Gegen Kriegsende musste zeitweise bei der SWP (und sicher auch anderswo) die Produktion eingestellt werden, teilweise sogar die der Rüstungsgüter. Als die Bombenangriffe auf Augsburg einsetzten, wurden Frauen aus der SWP in das Werk Zöschlingsweiler geschickt. Die Bunker für die Pferseer befanden sich im Rosenauberg; der Weg dorthin war im Ernstfall nicht gerade kurz, zumal die Wertach überquert werden musste. Bei dem großen Angriff auf Augsburg im Februar 1944 kam Pfersee ziemlich glimpflich davon, im Gegensatz zum Rosenauviertel. In der Leitershoferstraße traf eine Luftmine ein paar Häuser; Werk II von Bemberg bekam einen Treffer ab, da sich auf dessen Dach eine Flak-Station befand.

Zwar sind in Pfersee nach dem Krieg einige Straßen nach Augsburger Widerstandskämpfern gegen das NS-Regime benannt worden, aber nur einer von diesen wohnte zu dieser Zeit wirklich in Pfersee – Clemens Högg. Im Juni 33 versuchten SS-Männer, in seine Wohnung in der Metzstraße in Pfersee einzudringen und ihn zu erschießen. Sein „Verbrechen": 1922 war er als Leiter des SPD-Unterbezirks in die Stadt gekommen. Der gelernte Schmied genoss hohes Ansehen und Autorität, und dies nicht nur in seiner eigenen Partei. Mit seine erste Tätigkeit in Augsburg war, einem NSDAP- und SS-Mitglied namens Loritz in höflicher Form klarzumachen, dass er nicht weiter die SPD-Zeitung, die Augsburger Volkszeitung, ausfahren könnte. Dieser Hans Loritz wurde ein Jahr später zur Wachmannschaft nach Dachau abkommandiert. 1936-39 war er dort Lagerkommandant.

Vom 6.3.1933, dem Tag nach der letzten „freien" Reichstagswahl, zu der SPD-Kandidaten nur noch unter großen Schwierigkeiten antreten konnten, ist von ihm dieser Satz überliefert:

Unsere Gesinnung kann uns niemand rauben.

Die Schwäbische Volkszeitung, die dies druckte, erklärte sich auch bereit, von Högg in Auftrag gegebene Flugblätter zu drucken, was postwendend zur Beschlagnahme des Verlagsgebäudes durch die Nationalsozialisten führte (15.3.1933). Högg äußerte sich danach dahingehend, dass eine ehrenvolle Parteiarbeit nurmehr in der Illegalität oder in der Emigration möglich sei.

Nach Anna Pröll, geborene Nolan ist keine Straße benannt. Dies liegt zunächst natürlich daran, dass sie glücklicherweise noch lebt. Der Werdegang Anna Nolans ist geprägt von ihrer Herkunft aus einer Pferseer Arbeiterfamilie. Vater Karl Nolan war Webmeister in der Spinnerei und Weberei. Er engagierte sich im Turnverein und in der KPD. Mutter Rosa arbeitete als Weberin bei Bemberg. Die Familie lebte in einer der SWP-Werkswohnungen.

Als Hitler an die Macht kam, war Anna erst 16 Jahre alt. Trotzdem distanzierte sie sich von Anfang an bewusst gegenüber dem Regime. Zwei Dinge bewogen sie dazu, aktiv Widerstand zu leisten: zum einen die Erlebnisse ihres Vaters im 1. Weltkrieg, die ihn zum Pazifisten und zum überzeugten Anhänger der KPD machten und zum anderen ihr ausgeprägtes Gefühl für soziale Gerechtigkeit und ihr politisches Bewusstsein. So trat sie 1932 dem Kommunistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD) bei.

Als Ende 1932 erst ihr Vater und im März 33 auch ihre Mutter verhaftet wurden, wurde ihr endgültig klar, dass sie die Bevölkerung über die Machenschaften Hitlers aufklären müsste - wenn nötig, sogar unter dem Einsatz ihres Lebens. Zusammen mit anderen Mitgliedern des KJVD klebte sie in Augsburg Plakate an, auf denen die Arbeiter aufgefordert wurden, mit den Kommunisten gegen den Faschismus zu kämpfen. Natürlich bedeutete dies, dass sie die volle Härte des NS-Regimes zu spüren bekam. Auch ihr späterer Ehemann, Josef Pröll, hatte unter Verfolgung und Haft zu leiden. Anna Pröll engagierte sich auch nach dem Krieg wieder politisch – sie wurde Stadträtin für die KPD. (Deshalb wird vermutlich auch nie eine Straße nach ihr benannt werden.)

Am 28.4.1945 kurz nach Mitternacht standen die amerikanischen Truppen am Westrand Augsburgs. Durch die Eberle- und Augsburger Straße zogen sie in Richtung Diakonissenhaus, wo sie die bedingungslose Kapitulation der Stadt erwarteten. Der deutsche Kampfkommandant General Fehn wollte sich nicht ergeben, wurde aber genauso wie der Oberbürgermeister Mayr und Gauleiter Wahl verhaftet. Um 16.00 Uhr marschierten die Truppen offiziell in Augsburg ein, um 16.10 Uhr übergab genauso offiziell die Widerstandsbewegung, die sich in den letzten Kriegstagen gebildet hatte, die Stadt.

Anfang August trat das Potsdamer Abkommen in Kraft. Dieses regelte die Einteilung in Besatzungszonen und die alliierte Militärverwaltung; damit begann konkret die Besatzungszeit und die Umsetzung der Potsdamer Beschlüsse (u.a.) der Entmilitarisierung, Entnazifizierung und Demokratisierung Deutschlands. Für Pfersee hatte dies die unmittelbare Auswirkung, dass die Wehrmachtskasernen und der Große Exerzierplatz an die Amerikaner übergeben wurden. Seitdem waren die Besatzer und später die NATO-Truppen immer in diesem Stadtteil präsent. Natürlich wurden auch einige Pferseer Wirtschaften zu Soldatenlokalen oder –clubs umfunktioniert, so das Schlössle-Gasthaus, der Rote Ochse, der Weißenburger Hof und älteren Pferseern ist sicher die Oase noch ein Begriff.

12. Die Entwicklung bis heute

Eine Dokumentation über diese Zeit existiert ebenso wenig wie über die NS-Zeit, nur ist hierfür der Grund wohl darin zu suchen, dass diese Zeit einfach noch nicht „historisch" genug ist und dass sie vermutlich auch nicht viel Spektakuläres aufzuweisen hätte.

In der unmittelbaren Nachkriegszeit war jeder damit beschäftigt, wieder zu einem einigermaßen normalen Leben zurückzufinden; Vertriebene mussten integriert werden, Männer kamen zum Teil erst sehr spät aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Die Fabriken mussten wieder einmal von vorne beginnen. Die Familie Bernheim bekam ihre Chemische Fabrik von den Amerikanern wieder zurück, die anderen ehemaligen Besitzer der „arisierten" Betriebe waren entweder umgekommen oder ins Exil gegangen.

In den Fünfziger Jahren entstanden die Wohnviertel für die amerikanischen Soldaten, Centerville und Cramerton, mit ihrer eigenen Infrastruktur und unter der Hoheitsgewalt der Besatzungstruppen. Die Bürgermeister-Ackermann-Straße durchschnitt als neue Hauptausfallstraße das amerikanische Viertel; sie bildet bis heute die Grenze zu Kriegshaber. Anfang der 60er Jahre erhielt die protestantische Gemeinde Pfersees, durch Zuzüge beträchtlich vergrößert, endlich ihr eigenes Gotteshaus, die St. Paulskirche. Damit war nun endgültig der Blick auf das alte Dorfzentrum mit der Michaelskirche versperrt, wenn sich der Besucher aus Richtung Augsburg näherte. Alte Gebäude machten modernen Zweckbauten Platz, Supermärkte verdrängten die kleinen Läden in den Arbeiterhäusern. Zum Baden konnte man nun ganzjährig in Hallenbäder gehen, eine Erfrischung im Wertachkanal kam bei zunehmender Gewässerverschmutzung eher nicht mehr in Frage. In unmittelbarer Nähe Pfersees wurde das Rosenaustadion aus dem Trümmerschutt erbaut, der beliebte Rodelberg der Pferseer Kinder entstand. Durch das Anwerben von Gastarbeitern erfolgte wieder eine Umstrukturierung der Bevölkerungsgruppen in Pfersee.

In den späteren 50er und 60er Jahren zeichnete sich in der Pferseer Industrie bereits eine Tendenz ab, die bis in die heutige Zeit anhalten sollte: Konzentrationsprozesse setzten ein, die im allgemeinen zur Folge hatten, dass Muttergesellschaften sich von weit entfernt liegenden Betrieben trennten (Beispiel Bemberg, deren Hauptsitz in Wuppertal-Barmen war) oder wo kapitalkräftige Partner in Form von Großkonzernen gesucht wurden (Beispiel Chemische Fabrik: Ciba-Geigy oder Eberle: SKF). Der einzige Augsburger Konzern, die Dierig AG, behielt das Pferseer Stammwerk immerhin noch am längsten. Auch wenn sicher meist betriebswirtschaftliche Gründe zu Betriebsstillegungen führten, darf doch nicht verschwiegen werden, dass der zunehmende Wohlstand und das Wachstum der Bevölkerung nach neuen Wohnungen verlangte, die möglichst zentral gelegen sein sollten. Brachliegende Fabrikareale waren für große Wohnblocks ideal, Bauland- und Immobilienpreise stiegen ständig. So wurde das Bemberg-Gelände bereits Anfang der 70er Jahre mit vier Wohnblöcken bebaut; es folgten die Bebauung des ehemaligen Raff-Geländes und der Pfersee Park an der Stelle der Chemischen Fabrik (sie zog aus Umweltschutzgründen um nach Langweid). Den Abschluss (zumindest bis jetzt) bildet der Abriss der SWP-Bauten bis auf das Verwaltungsgebäude und die Wiederbebauung ebenfalls durch große Wohnblocks und ein Alten- und Pflegeheim. Die Uhlandwiesen wurden als Bauland freigegeben und vorwiegend für Einfamilien- und Reihenhäuser genutzt.

Durch diese immense Bautätigkeit strukturierte sich der Stadtteil weiter um, vom Industrieort zu einer (fast) reinen Wohnstadt, mit günstigen Anschluss zum Hauptbahnhof und damit zu Arbeitsplätzen in München. In der Augsburger Straße muss man die alten Gebäude suchen; durch die Mischung von Alt und Neu fallen sie nicht mehr sonderlich auf, auch wenn sie kleine Baujuwele sind wie z.B. das Jugendstilhaus der St. Michaels-Apotheke. Nur wenn man in die Seitenstraßen geht, erkennt man noch Pfersees Vergangenheit als Arbeiterwohnort –noch sind die alten Häuser nicht alle der Abrissbirne zum Opfer gefallen; auch die schöne Architektur der Fabrikbauten von Dierig und Eberle ist noch zu bewundern. Durch die Freigabe der amerikanischen Wohnsiedlungen und der Kasernenareale ist in der Zukunft eine weitere Umstrukturierung zu erwarten.

Das bemerkenswerteste „Ereignis" der jüngsten Stadtteilgeschichte ist ein eher unrühmliches: Das Pfingsthochwasser des Jahres 1999 überschwemmte weite Teile Pfersees, vor allem die früher als Überflutungsgebiet freigehaltenen Uhlandwiesen.

So lange der Kirchturm von Herz Jesu weit hinaus ins Land dokumentiert: hier ist Pfersee, und so lange sich dessen Bewohner noch die Mühe machen, nach Spuren der Vergangenheit zu suchen, wird die Erinnerung an die lange Geschichte eines heutigen Stadtteils wachgehalten werden.



Literaturhinweise
Zeitungen:
  • Anzeigeblatt für Pfersee (bis 1940 in der Staatsbibliothek zu finden)
  • Im Viertel (Zeitung des Sozialzentrums Pfersee – manchmal mit eigenständigen Artikeln oder Erinnerungen von Zeitzeugen)

  • Autoren zu bestimmten Themen:
    Gernot Römer (verschiedene Titel zur Geschichte der Juden in Schwaben)
    Wolfgang Kucera (über die Zwangsarbeiter in Augsburg)


    © 2000, Dr. Renate Weggel
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