Erinnerungen an Pfersee’s Vergangenheit.

Zusammengestellt nach dem pfarramtlichen Aktenmaterial.

Von O.[tto] Siller. [ca. 1900]

Die um das alte Römerkastel gelegene Ansiedlung Pfersee (in alten Urkunden Pherese - vom keltischen Worte Perz = Pforte) scheint Augsburg im Alter nicht weit nachzustehen.

Schon in den Römertagen widerhallten die Wertachgefilde von Pfersee vom Waffenlärm der gegen Augsburg anstürmenden Barbaren. Hier erfocht Kaiser Constantin im Jahre 274 über die Alemannen, welche Augsburg belagerten, einen großen Sieg. Der Römer Eumenius besingt deshalb in seiner Lobrede auf den Sieger "Die mit den Gebeinen der erschlagenen Feinde angefüllten" Wertachgefilde (Campi Vindonis). Auf denselben Wertachauen hat ein Jahrtausend später Leopold von Oestereich sein Hilfsheer aufgestellt, das er seinem Bruder Friedich zu spät zuführen wollte.

Im Jahre 1285 hauste ein Ritter Hermann von Pfersee mit empörender Willkür und Gewalttätigkeit. Am ärgsten trieb es dieser wilde Raubritter am Anfang des 14. Jahrhunderts. Er fing mit aller Welt Händel an und erfüllte als echter "Schnapphahn" die ganze Gegend um Augsburg jahrelang mit Mord und Brand, bis endlich das Gejammer der Mißhandelten zu Kaiser Heinrich VII, drang - der dicke deutsche Gedulkdsfaden riß. Der Raubritter von Pfersee wurde nun im Jahre 1309 in die Reichsacht erklärt und der kaiserliche Landvogt Graf Konrad von Kirchberg mit der Vollsteckung beauftrgt. Dieser bot den Landsturm gegen den Landfriedensbrecher auf, scheint aber wenig ausgerichtet zu haben. Erst 3 Jahre später, 1312 gelang es, des Mordbrenners Herr zu werden und ihm das Handwerk zu legen. Jetzt tat der alte Sünder "Buße" und stiftete mehrere "Seelgeräte" (fromme Stiftungen) und lebte noch bis 1327. Während des Raubkrieges war jedoch Ritter Hermann und sein Geschlecht nicht mehr im Besitze der Burg von Pfersee.

Die Gossenbrott besaßen Pfersee vom Jahre 1476 bis 1547. Im Jahre 1549 erkaufte es Hieronymus Sailer, dessen Nachkommen sich fortan von "Pfersheim" schrieben. Felizitas Welser, die Witwe des Hieronymus Sailer überließ im Jahre 1568 das Dorf um 10,000 fl. ihrem Sohne Bartholomäus Sailer. Unter ihm kamen die Juden nach Pfersee. Das ging so zu:

Da Pfersee im Bereich der Markgrafschaft Burgau lag, beanspruchte der damalige Markgraf Erz-Herzog Ferdinand gewisse Oberherrlicheitsrechte und erlaubte den Juden gegen den Willen des Gutsherrn Sailer die Ansiedlung in Pfersee. Sailer tat alles um der Juden los zu werden, und die damals gar judenfeindlichen Augsburger standen ihm treu zur Seite. Sie schickten sogar eine Gesandtschaft an den Erzherzog, die ihn bat, "das so schädliche Judengesind von dem Ort wegzuschaffen". Alles vergebens. Ferdinand ließ nicht von den Juden und hatte wahrscheinlich - klingende Gründe - hierfür. Die Juden blieben in Pfersee. Das ärgerte Sailer so sehr, daß er schon anno 1570 das Dorf an seinen Schwager Michael Katzböck von Thürstein abtrat.

Am 3. August 1620 wurde Martin Zobel aus Pfersee von den Geschlechtern oder Patriziern für Wolfgang Paller in das städtische Bauamt (Augsburg) gewählt.

Anno 1621 wurde er als Inhaber das Gutes Pfersee vom Rat ersucht, auf diejenigen Bürger, welche zu den dort wohnenden Juden kommen, oder mit ihnen handeln, gute Acht geben zu lassen, und auch selbe dem Rat namhaft zu machen, damit sie wegen "Münz-Kipperen und Wipperen" in Untersuchung gezogen werden können.

Als am 21. Mai desselben Jahres eine junge Weibsperson wegen begangener Verbrechen sollte hingerichtet werden, wurde sie auf eine sonderbare Art von der ihr schon angekündeten Todesstrafe befreit, Es bat nämlich ein Diener eines sich zu Augsburg aufhaltenden Edelmannes aus Frankreich für ihr Leben, und erbot sich, selbe zu heiraten und mit sich nach Frankreich zu nehmen. Er brachte dies zuwegen und ließ sich, nachdem sie ihm abgefolgt worden, mit ihr zu Pfersee einsegnen.

Anno 1625 war infolge der Münzkipperei und infolge derselben gestiegenen Lebensmittel eine solche Verarmung, daß ohne die gemeinen Gassenbettler über 3000 Hausarme gezählt wurden. Daher veranlaßte der Rat die beiden Baumeister Imhof und Zobel nebst drei anderen vom Rat auf Mittel und Wege zu danken, wie teils dem gemeinen[?] Allmosenseckel besser aufgeholfen teils dem höchst besch[w]erlichen Hausbettel gesteuert, teils ein Unterschied zwischen den ehrlichen und den leichtfertigen Bettlern gemacht werden könne. Infolgedessen erließ der Rat einen Aufruf an die vermöglichen Bürger zu reichlichen Beiträgen und die fremden liederlichen Bettler wurden aus der Stadt getrieben.

Den 27. November 1625 "verwechselte" Balthasar Langenmantel, des Rates und Oberrichter das Zeitliche mit dem Ewigen, und den 7. Dezember folgte ihm in die Ewigkeit nach jener oben mehrmals erwähnte Martin Zobel von Pfersee, ein Ratsherr und Baumeister.

Als Zobel noch Besitzer von Pfersee war, wohnte in dem Dorfe der Maurer David Mozart, der 1643 Bürger von Augsburg wurde; von diesem ehemaligen Pferseer Maurer stammt der berühmte Tondichter Wolfgang Amadeus Mozart ab.

Aus dem Jahre 1622 ist auf einem Buche betitelt: "Hailigen-Rechnvng zv Pfersche" in wunderschöner Schrift folgendes zu lesen:

"Inn Gottes Namen Amen.

Alls man zelet nach Christi vnsers lieben Heren vund Seeligmachers geburt Aintausend Sechshundert zway vnd zwanzig Jar den Anderen tag des Monats January, hab ich Johann Kleber Notarius vnd Gerichts Schreiber zu Pfersee die Heyligen Rechnungen inn dises Buech zu schreiben angefangen der Allmechtige welle sein gnad darzu geben Amen."

Dann folgt folgender Vers:

"Heylig ist vnser Her.Gott
Heylig ist der Her.Zebaot
Ja: Heylig ist allain Gott
Der alles inn seinen händen hot
Alle Land sein seiner ehren vol
Darumb alle welt Ihn preisen soll
Der preis vnd rhuem inn aller welt
Billich nun Gott wiert zu gestelt."
Anno 1717 im Augsut, so war der Sonntag vor Laurentii hat sich früh morgens unter "währender" Predig Zeit bei einer unerträglichen Hitz "der Himmel mit einer solichen Finstere überzogen, daß man kümerlich lesen können", es erhob sich zugleichein heftiger Sturmwind mit darauf erfolgtem Schauer und Platzregen und endlich "nach anhaltendem diesem halbviertelstündigen Ungewitter schlug es mit fast niemals erhörten Gewalt zu oberst in das Dach am hinteren Schießer des Langhauses ein", zerschmetterte die großen Bäume dort auf dem Rasen, "warf auf der Chorkirche unter und ober der Orgel die meißte Leut zu Boden, verletzte mehr als 20 Personen mit groß und kleinen Brandblatern, tötete auch mittels des starken Dampfes und Dunstes 2 Männer und zwar auf der unteren Stieg zur Chorkirchen einen Soldaten, mitten in den Mannstühlen aber traf es verwunderlich den Lachenbauern von Bergen (Stadtbergen) und schlug ihn mauß dot, da er 5 Tage vorhero feine zweite Hochzeit gehalten." Was das für ein Schrecken und Jammern war, da von dem "Dunst" so viel zu Boden lagen ist nicht auzusprechen und war "doch der zirnete Himmel mit dißem noh nit begnieget", sondern etliche Vaterunser lang hernach geschah der zweite Streich neben S. Antoni Altar und gleich drauf der dritte zu oberst in Thüre," da dann ein soliches Krachen, daß ich vermeint hab, die gantze Kirch falle zusammen." Das Lamentieren und Schreien "Großer imd Kleiner war so erbärmich, daß ein stein hött müsse bewegt werden.

Bei alem diesem war doch gott lob und dem heiligen Donato die Ehr gegebe, sehr guet, daß diese streich kein feur mit geführt, dann da dies geschehen wäre, würde alles in brand aufgangen und die meisten Pfarrkinder verbrant sein. Unter währendem diesem Elend stand bei ausgesetztem eibio H. Andreas Wöhrle damaliger Frühmesser und unterbrach die hl. Messe nit. Ich und mein H. cooperator hatten unsere Hände voll zu thun bis die Leuth wider in etwas sich erhollet." Nachdem nun gegen 1/2 11 Uhr der Jammer in "etwas vorbei rief ich die meisten Gemeindsmänner zusammen, stellte ihnen vor, wie man Ursach habe den zirnet Gott zu gesenftigen." Wir taten dann ein"Gelbt alle jahr an Creutz erhöhung zu dem wunderbahrlichen guett in Augsburg ein Creutzgang anzustellen, und jährlich an dem Sonntag vor Laurentii ein zehnstündiges Gebett zu halten. Item war in hiesiger Gemend wargenommen, fürhin die Feiertag besser zu halten und zwar, dem miller verbotten, an son und feiertag kein Maltz abzuhollen oder sonst ins Dorff zu fahren,in gleichen dem würth kein Bier auszufiehren,"

Anno 1733 hat man die zwei größeren "gloggen umbgegeßen, und zwar auf folgende Weiß. H. Joseph Lengenmantl, damahliger Pfriendt Pfleger hat von hießiger Gemaindt einen Plaz erkauft, so jenseits der Wertach auf dem Weg gegen Gögging umb 110 fl. Der Mülher allhier in gleichem ein Plätzel auf der Vieh-Waidt zu einem Hauß per 50 fl. Dieses Gelt hat die Gemaindt zur umbießung der gloggen hergeben. Dahero das Langenmantl:e Wappen mit einem doppleten Rosse auf der gloggen zu sehen, als wäre der Herr Langenmantel Benfactor geweßen, sondern nur Promotor."

Aus dem Jahre 1746 ist folgende Grabinschrift für Herrn Pfarrer Eschenlohr, der 51 Jahre die Pfarrei Pfersee versah, vorhanden:

(Wappen).

"Dort liget vor dem Creutz Altar
Der Zweymahl Jubilaeus war
Ein und fünnfzig Jahr ein einem orth
Gepredigt hat das Göttlich worth
Den Last der Seelsorg Tragen
Den soll mann wan Er schwach und math
Und sich schon aufgearbeith hat
Nit umd die ursach Fragen
Wer aber glaubt es fey nit wahr
Daß einer ein und fünffzig Jahr
Auf einer Pfarr gewesen
Der nenn mir ein, ich kenne kein
Hebs auch von wenig glesen."
R.I.P
Anno 1754 den 19. Mai ließ Hans Riederer, Schlößlewirt allhier ein Feldkreuz aufrichten an seinem Acker gelgen an dem Leitershofer Weg. Allda stand schon zuvor ein Kreuz, "soer Riederer vor 19 Jahren hingestiftet, er muß allzeit dieses Kreuz unterhalten. Es gehen im Sommerabend öfters andächtige Pferseer dahin, das hl. Kreuz zu grüßen und ihre Andacht zuverrichten. Dieses letzte Kreuz also eingesetzt am Sonntag Rogatioen. Nach dem Amt zuog man von der Kirch mit Kreuz und Fahnen aus. Vor dem Herr Pfarr und Kaplan her wurde getragen die große Fahne." Nach dem Fahnen führte Johann Riederer, des Schlößlewirts einziger Sohn, mit vier Braunen das auf einem Wagen befindliche, schön gezierte Kreuz. Hernach kam Her Pfarrer und Kaplan "im Chorrock und Stol." Man betete bis an den Ort den hl. Rosenkranz. Am Ort weihete Herr Pfarrer Ignati Förg das Kreuz, die Bildnis Maria und St. Johannis, wie auch die Grub. "Darnach ward das Kreuz mit Gabeln und Scheren aufgerichtet, so geschwind und hurtig, daß sie nicht länger als 4 Minuten brauchten, so stand das Kreuz schon aufrecht.

Anno 1761 fiel unsere Kirchweih wie sonst auf das Rosenkranzfest d. 4. Okt. Diesen Tag warf es einen schuhtiefen Schnee,"ohnerachtet es am Vorabend gar hell und gut Wetter War." In diesen Schnee ist es getroffen und dauerte diese große Kälte 8 Tag. Darauf fíng es an "zu Regnen, und Regnete 3wochen fast continuierlich," in allen Kellern war Wasser angelaufen und dauerte das Wasser bis Allerheiligen. "Kräutlwahr wurde verderbt und die Bäume litten schden indem der Schnee die äst abtruckte." Jedoch sagte man, daß es unterhalb Biberach keinen Schnee geworfen. In diesem Jahr war Juli, August und "überhalb September eine fast unerträgliche Hitze, also daß gar viele hier und anderstwo die Rothe Rose bekamen. Junge, alt und Kind", starben aber nur 3 bis 4 Kinder und "ein vierzig Jähriges, die übrige wurd curiert moist mit Brennsüppen und venzianischen Teriack."

Im August 1765 ist in "Insprug" (Innsbruck) gestorben der "allerdurchlauchtigste, unüberwindlichste Kaiser Franciscus I." Es wurde auf höchsten Befahl in der ganzen Diözese 3 Seelämter 3 Tag hinter einander gehalten, bei dem Ersten war eine Trauerrede. Durch 6 Wochen wurde alle Tage von 12 bis 1 Uhr "mit allen Kloggen geleitet, und war alle Music in den Wirtshäusern verboten."

Anno 1768, den 20. August sind Ihre Hochfürstl. Durchlaucht Bischof zu Augsburg, der Hochwürdigste, Durchlauchtigste Fürst und Herr Joseph Bischof zu Augburg, Landgraf zu Hessen etc. etc. in Gott selig entschlafen. Höchstderselbe ward auf einem prächtigen Trauerbett "bey Villen weisen wax Kerzen" in St. Lambert Hof Kapell öffentlicg´h durch 9 Tag ausgesetzt. Den 30. August war der "Leicht Conduct." Den höchstseligen Leichnam haben getragen 12 Decani und Camerarii, "Bey" und unter denen auch Ich Ignati Förg, damahliger Pfarrer in Pfersee aus dem Rmo Archidiaconate war." Auf dem Lande mußten 3 Gottesdienste gehalten und 4 Wochen lang geläutet werden, auf der "Baar" oder neben derselben waren "12 gelbe Fürling Kerzen angezindet."

Folgende Grabinschrift wurde dem Kaplan Joseph Kymacher, der im Alter von 32 Jahren am 26. April 1772 gesorben ist, gesetzt:

"Ein Opfer bester Jugend
Ein Mann von größter Tugend
Verdienstvoll er Gott eilte zu
Von Arbeit in die ewige Ruh."
Eine weiter Grabinschrift für Peter Teutschmann, Bürger und Bildhauer in Augsburg, gesorben im Alter von 38 Jahren am 7, Juli 1778, lautet also:
"Teutschmann an Gutter Mann auch gutter Christ dabey
Die falsche Wertach hier ihm worden ungetreu
Damit wo Jesu Hertz als ein Werk seiner Hände
Auch dort der Künstler ruh nach seines Lebens ende."
R.I.P.
Im Jahre 1805/6 kam Pfersee an die Krone Bayerns.

Im Jahre 1813 erging folgender allerhöchster Befehl: Es werden durch die "allhiesige Polizey" für die königl. Bayrischen verwundeten Krieger alte Lumpen und Leinwand gesammelt werden zu Charpie, die von den "Schulkindern müssen gezopfet werden"; es werden also alle Gutdenkenden ersucht, dieselben bis übermorgen in Ordnung zu bringen. Die nichts beitragen wollen, werdet aufgezeichnet und an die allerhöchste Stelle eingeschickt.

Im Jahre 1817 starb Frau M. M. Bei ihr steht im Sterberegister folgende kurze Bemerkung: "Hunger bingt Tod." Bei einem Manne namens J. M. Lautet die Bemerkung: "Der beste Arzt würde gute Kost gewesen sein". Bei einem weiteren Manne lesen wir folgende Notiz: "Ertrunken in der Wertach aus Not und Melancholie."

Morgen, Als am 1. Juni (1818) wird bis 8 Uhr früh in Kriegshaber im Wirtshause zur Sonne die jährliche Impfung wieder vorgenommen werden. Es haben zu diesem Ende dabei alle diejenigen Kinder zu erscheinen, welche im Jahre 1816 und 17 dahier geboren und noch nicht geimpft worden sind.

Das Jahr 1820 bringt uns einen seltenen Todesfall: U. B. 46 Jahre alt wurde von einem hölzernen Schlegel, der sich vom Stiele ablöste, und dem er beim Einmachen seines Gartens gegeüberstand dergestalt in der Gegennd der Leber getroffen, daß er nach 9tägigem Leiden starb. Bei der Sektion fand sich, daß die Leber in Stücke zerstoßen, die Gallenblase zersprengt. Man erwartete für ihn in Kurzem die päpstliche Dispensation zur Ehelichung feiner Schwägerin.

Im Jahre 1825 fand Frz. X. L. 24 Jahre alt ein naßes Grab. Er ging sehr berauscht von einer Wirtschaft zu Göggingenweg und höchst vermutlich wollte er den nächsten Weg nach Pfersee durch die Wertach waten obwohl ihr Wasserstand sehr groß war. Er wurde unter der Wertach brücke "durchschwemmen" gesehen, glaiblich schon tot, ohne daß es von den Gegenwärtigen einer wagen konnte ihn herauszuziehen, "und wurde unter die Stauden am Damme vom Wasser angehängt" in der Tiefe an 9. Dezember von Arbeitern am Damme vorgefunden.

Ein weiteres Unglück berichtet das Sterberegister vom 3. Aug. 1829 von einem Manne schon 72 Jahre alt. Er fiel, da er ein ihm in den hiesigen Mühlbach entfllenen Schwärtling wieder mit einer nahe gelegenen Heugabel herauslangen wollte in selben und ertrank indem von anwesenden Wäscherinnen nicht Hilfe schnell genug konnte geleistet und herbeigerufen werden. Die an dem Bache anwesenden Wäscherinnen sahen ihn in denselben hineinstürzen und die bis nach dessen Heruasziehung vermißte Gabel wurde im Bach vorgefunden. Bei dessen Herausziehung durch den Mehlber X. W. und bei Hilfe anderer atmete er nur noch etliche male.

Im Jahre 1836 wurden sämtliche Pfarrkinder, wegen der großen Gefahr, die durch den Ausbruch der asiatischen Brechruhr unserem Dorfe und zwar jedermann drohte, zur Mäßigkeit und Ordnung aufgefordert. Insbesondere wurden sie erinnert, daß sie die Armen, namentlich die Hausarmen und wahrhaft HIlfsbedürftigen auf mögliche Weise unterstützen und so womöglich dieses große Übel abzuwenden helfen.

Im Jahre 1837 am 30 . Dezember wurde vermittelst gewaltsamen Einbruchs in den Kasten des hl. Placidus aus demselben morgens zwischen 9 und 11 Uhr 11 Münzen und 9 Ringe entwendet.

Im Jahre 1852 am 11. Oktober starb unvermutet und schnell Herr Gustav Freiherr von Speth, Schloßbesitzer, kgl. Württemb. Major a. D. Derselbe wurde sekziert und einbalsamirt und nach ausdrücklicher schriftlicher Willenserklärung nach Untermarchthal abgeführt und dort in der Familiengruft begesetzt.

Noch in demselben Jahr kam das Schloß in den Besitz des Baron von Welden. Ende 1873 kaufte es ein Schneider namens Hüttinger, von diesem Privatier Sendlinger in Augsburg, der es im Jahre 1876 an den General v. Sprunner in München verkaufte.

Im Frühjahr 1882 erwarb die Gemeinde Pfersee das Schloß um 44000 Mark, um es zum Aremn- und Krankenhaus einzurichten und den barmherzigen Schwestern zu übergeben.

Dies geschah am 4. Oktober 1882. In dem heute noch stehenden Schloß befand sich anfangs des vorigen Jahrhunderts das kgl. Rentamt.

Daß auch früher schon darauf gesehen wurde, daß die Werktagsschüler fleißig den Unterricht besuchen sollen, zeigt folgende Ermahnung aus dem Jahre 1863 und zwar vom 23. August. "Da die Getreideernte größtenteils beendet ist, so wird von morgenan wieder für sämtliche Werktagsschüler Sommerschule gehalten. Eltern werden hiemit ermahnt ihre wertagsschulpflichtigen Kinder vormittags fleißig zur Schule zu schicken."

Für die durch Brand verunglückten Bewohner der Stadt Furth in der Oberpfalz, wodurch 187 Wohn- und Nebenhäuser eingeäschert und 129 Familien abdachlos wurden, wie auch für die gleichfalls durch BRand verunglückten Bewohner von Partenkirchen woselbst 69 Wohnhäuser total niederbranden und 130 Familien abdachlos wurden wird diese Woche (1863, 20 September) eine Kollekte von Haus zu Haus durch ein Gemeindeverwaltungsmitglied oder durch den Gemeindediener vorgenommen, und da die Not eine große ist, die Mildtätigkeit und Guttätigkeit der Pfarrgemeinde mit freiwilligen Gaben an Geld und Naturalien angerufen.

Zum Schluß will ich noch nachfolgenden Brief an das Bischöfliche Ordinariat aus dem Jahre 1826 hierhersetzen.

"Durch ein wohltätiges Geschenk des Herrn Georg Lotter von Eisenpretzhofen der Pfarrei Biberbach besitzt die Pfarrgemeinde Pfersee den hl. Leib des hl. Martyrers Placidus. Der obengenannte brachte den 23. Februar 1826 von Rom zurückkommend, gemäß einer Authentic diesen heiligen Leib in einer papendeckelnen Schachtel unversehrt verschlossen und gut verwahret hieher, um ihn hier seinem Geburts- und ehemaligen Wohnorte seiner Eltern der öffentlichen Verehrung auszustellen.

Die Pfarrgemende freut sich in wahrhaft christlichem Sinnder Heiligkeit der Sache gemäß, und ist entschlossennach Möglichkeit alles aufzuwenden damit dieser hl. Leib gebührend gefaßt und der öffentlichen Verehrung in der Pfarrkirche auf dem Seitenaltar des hl. Josef ausgestellt werde.

Daher stellt der Unterzeichnete und die im Namen der Gemeinde unterschriebenen Gemeindeverwaltung die ehrfurchtsvolle Bitte unter Anlegung der Authentic über diesen Heiligen an das hochwürdigste bischöfliche Ordinariat um die gnädigste Bewilligung der öffentlichen Ausstellung dieses hl. Leibes und Verfügung des hierüber Treffenden.

Pfersee, den 8. März 1826.

In tiefer Ehrfurcht
des hochwürdisten Bischöflichen Ordinariates
Unterthänig gehorsamster
Johann Georg Meitinger, Pfarrer


Pfarrherren der Gemeinde Pfersee.
zusammengestellt nach dem pfarramtlichen Urkundenmaterial.
1. Blumenthaler, Egidius vom Jahre 1519-1529
2. Morenhaupt, Simpertus
1529 ab
3. Gruner, D. Friedrich
1591-1606
4. Brendler, M. Maximilian
1606-1612
5. Riß, M. Jacob
1612-1618
6. Strobl. Philipp
1618-1636
7. Mayr, Joann
1636-1640
Dieser versah Oberhausen, Pfersee und Stadtbegen zugleich.
8. Stöger, Joan Baptista vom Jahre 1640-1661
9. Sarter, Joan
1661-1665
10. Fendt, Joann
1665-1670
11. Lipp, Joann
1670-1695
12. Eschenlohr, Ignatius
1695-1746
51 Jahre Pfarrer zu Pfersee
13. Foerg, Ignatius vom Jahre 1746-1769
14. Schwinghammer, F. Josef
1769-1789
15. Geberth, Andreas
1790-1796
16. Miller, Stanislaus
1796-1799
17. Keller, Joannes Thaddeus
1799-1801
18. Kroen, Laurentius
1801-1806
19. Mayr, Joann
1636-1640
20. Rigler, J. Benedict
1818-1823
21. Meitinger, J. Georg
1823-1833
22. Strobel, Franciscus
1833-1840
23. Mayrhofer, J. Udalr.
1840-1849
24. Egger, Joannes Nep.
1849-1869
25. Ulschner, Antonius
1869-1870
26. Dirr, Joseph
1870-1893
27. Schwab, Anton
1893 an.
-------- Ende. --------